Ferienregion Imst nachhaltig erleben: Dein Guide für bewusstes Reisen
Imst liegt mitten im Oberinntal, hat eine Schlucht direkt im Stadtzentrum, ein UNESCO-Kulturerbe das alle vier Jahre die Stadt in Bewegung setzt — und ist trotzdem kein Massentourismus-Ziel. Das liegt nicht an mangelndem Angebot, sondern an bewusster Positionierung. Wer Imst kennt, kommt wegen der Rosengartenschlucht, wegen des Gurgtals und wegen einer Region, die sich selbst noch nicht vermarktet hat wie ein Markenprodukt.
Die Ferienregion Imst kurz eingeordnet
Imst (820 m Seehöhe, rund 10.000 Einwohner) ist die Bezirkshauptstadt des gleichnamigen Bezirks und liegt im Oberinntal, rund 30 km westlich von Innsbruck. Die Stadt ist Ausgangspunkt für das Gurgltal südlich des Inntals (mit Nassereith, Tarrenz und dem Gurglbach) sowie für Verbindungen ins Pitztal und Richtung Arlberg.
Prägend für das Stadtbild: die Rosengartenschlucht, die direkt am Rand des historischen Zentrums beginnt, sowie die Sonnenburg auf dem Hang über der Stadt. Die Umgebung ist klassisches Tiroler Mittelgebirge — keine Gletscherregion, dafür breites Wander- und Outdoorangebot ohne Overtourism.
Region auf einen Blick
| Hauptort | Imst (820 m), mit Teilgemeinden Imsterberg und Brennbichl |
| Umgebung | Gurgltal, Nassereith, Tarrenz, Haiming |
| Bahnhof | Imst-Pitztal (Arlbergbahn, westlich der Stadt) |
| Bekannte Highlights | Rosengartenschlucht, Imster Schemenlaufen (UNESCO), Hoch-Imst Bergbahn |
| Besonderheit | Günstigeres Preisniveau als viele Tiroler Tourismusorte |

Nachhaltige Anreise: Per Bahn ins Oberinntal
Der Bahnhof Imst-Pitztal liegt an der Arlbergbahn — einer der wichtigsten Bahnstrecken Westösterreichs. Die Verbindungen sind gut:
- Von Innsbruck: Regionalzug, ca. 30 Minuten, stündlich
- Von München: Eurocity bis Innsbruck (ca. 1:45 Std.), dann Regionalzug nach Imst-Pitztal
- Von Wien: Railjet bis Innsbruck (ca. 4 Std.), dann Regionalzug Richtung Arlberg, ca. 30 Min. weiter
Der Bahnhof liegt rund 3 km vom Stadtzentrum entfernt. Ein regelmäßiger Stadtbus verbindet ihn mit dem Zentrum (Linie IVB/VVT). Die Imst Card, die viele Unterkünfte inklusive anbieten, deckt Busfahrten im Talnetz ab.
Mit dem Auto
Imst liegt direkt an der Bundesstraße B171 (Inntalstraße) und ist auch per Autobahn A12 (Ausfahrt Imst) erreichbar. Parkplätze im Zentrum sind vorhanden und großteils kostenlos oder günstig — ein Unterschied zu touristisch stärker ausgelasteten Regionen.
Nachhaltige Unterkünfte in Imst: Was wirklich zertifiziert ist
In der Region gibt es Betriebe mit dem Österreichischen Umweltzeichen und Höfe mit dem Urlaub am Bauernhof-Label. Aktuelle zertifizierte Unterkünfte findest du auf umweltzeichen.at unter PLZ 6460 (Imst). Für Bauernhöfe: landurlaub.at mit Filterung nach Region Imst.
Wie immer gilt: Begriffe wie „naturnahe Unterkunft“ oder „nachhaltiges Haus“ ohne konkretes Zertifikat sind Selbstbezeichnungen ohne externe Prüfung. Frag beim Buchen direkt nach dem Label.
Unterkunftstypen in der Region
Hotels und Gasthöfe in Imst: Das Preisniveau liegt deutlich unter dem von Innsbruck oder Kitzbühel — Imst profitiert davon, kein überregional bekanntes Markenziel zu sein. Für Gäste bedeutet das: vergleichbares Angebot zu faireren Preisen, familiäre Atmosphäre, kürzere Wege.
Urlaub am Bauernhof: Im Gurgltal (Nassereith, Tarrenz) und auf dem Imsterberg gibt es Höfe mit aktiver Landwirtschaft — Milchwirtschaft, Forstwirtschaft, teils mit Direktvermarktung. Kinder können beim Tierfüttern und auf der Alm mithelfen.
Ferienwohnungen: In Imst selbst und in den umliegenden Dörfern gibt es viele Ferienwohnungen in privater Hand — oft günstiger als in Hotelnähe zu touristischen Hotspots. Gut für Familien mit eigenem Kochbedarf.
Rosengartenschlucht: Die Schlucht mitten in der Stadt
Die Rosengartenschlucht ist das Alleinstellungsmerkmal von Imst — und sie kostet keinen Eintritt. Der Eingang liegt direkt im Zentrum, wenige Gehminuten von der Johanneskirche entfernt. Der Schinderbach hat sich über Jahrtausende durch den Fels gearbeitet und eine 1,5 km lange Klamm geformt, die an ihrer engsten Stelle nur wenige Meter breit ist.
Der Weg durch die Schlucht überwindet rund 250 Höhenmeter. Holzstege und gesicherte Brücken führen durch das enge Gelände, das von Mai bis Oktober zugänglich ist. Im Winter ist die Schlucht aus Sicherheitsgründen gesperrt — Eisbildung macht sie unbegehbar.
Was du in der Schlucht wissen solltest
- Dauer: Einfache Durchquerung ca. 1 Stunde, mit Pausen eher 1,5 Stunden
- Schwierigkeit: Leicht bis mittel — gutes Schuhwerk empfohlen, keine Kletterausrüstung nötig
- Eintritt: Kostenlos — das ist kein Marketingversprechen, sondern Tatsache
- Geführte Wanderungen: Jeden Montag in der Saison, organisiert über Imst Tourismus
- Geeignet für: Familien mit Kindern ab 6 Jahren, Wanderer aller Levels — bei Nässe rutschig, dann erhöhte Vorsicht
Die Schlucht ist ein Naturschutzgebiet. Das bedeutet: keine Abkürzungen querfeldein, keinen Müll liegen lassen, Lärm reduzieren. Der Schinderbach ist Lebensraum für seltene Feuchtbiotoparten.
Wandern in der Ferienregion Imst: Ehrliche Auswahl
Das Wandergebiet rund um Imst ist vielseitig ohne spektakulär zu sein — solides Tiroler Mittelgebirge mit guten Wegen und wenig Überlauf.
Hoch-Imst und Almgebiet (leicht bis mittel)
Die Imster Bergbahnen (Gondel ab Imst Zentrum) bringen dich auf rund 1.600 m Seehöhe. Von der Bergstation führen verschiedene Almwege in alle Richtungen: zur Arzler Alm, zum Weiherberg oder als Rundweg zurück ins Tal. Gehzeiten zwischen 1 und 4 Stunden, je nach Variante. Geeignet für: Familien, Genusswanderer, Kinder ab 5 Jahren (Bergbahn ab Ortsmitte, kein langer Aufstieg nötig).
Rosengartenschlucht + Imsterberg-Runde (mittel)
Schlucht bergwärts, auf dem Imsterberg queren, über den Feldweg zurück ins Tal. Gesamtgehzeit ca. 3 Stunden, 400 Höhenmeter. Gute Kombination aus Naturerlebnis und Aussichtswanderung. Geeignet für: geübte Wanderer, Kinder ab 8 Jahren.
Nassereith – Fernpassbecken (leicht)
Das Gurgltal südlich von Imst führt zum Nassereither Becken mit dem Fernsteinsee und dem Blindsee — beide naturbelassen, kein Badebetrieb mit Infrastruktur, dafür Ruhe. Leichte Spazierwege am Ufer, ideal für ruhige Halbtage. Der Fernpass ist per Bus von Imst erreichbar. Geeignet für: alle Altersgruppen.
Sonnenburg-Rundweg (leicht)
Die Sonnenburg hoch über Imst ist in rund 45 Minuten zu Fuß erreichbar. Das ehemalige Stift mit romanischen Elementen bietet eine der besten Aussichten auf das Inntal. Kein technischer Anspruch, guter Weg. Geeignet für: alle, auch für Familien mit kleineren Kindern.
Outdoor: Was Imst darüber hinaus bietet
Alpine Coaster Hoch-Imst
Der Alpine Coaster in Hoch-Imst ist mit 3,5 km Streckenlänge einer der längsten seiner Art in den Alpen. Fahrt mit Schienenkart bergab, Geschwindigkeit selbst regulierbar. Für Kinder ab 8 Jahren (allein) oder ab 3 Jahren (mit Erwachsenem). Saison: Mai bis Oktober (und Winter, wenn schneefrei). Kein Nachhaltigkeits-Highlight per se, aber eine Freizeitaktivität, die keine zusätzliche Infrastruktur jenseits der Bergbahn braucht.
Wildwasser und Canyoning
Der Inn zwischen Imst und Haiming ist eines der bekanntesten Wildwasserreviere Tirols. Rafting-Anbieter in der Region bieten geführte Touren an — check beim Buchen, ob lokale Guides beschäftigt werden und ob die Ausrüstung wiederverwendbar ist (kein Einwegplastik bei Neopren-Ausstattung). Saison: Mai bis September.
Radfahren
Das Inntal bietet auf Höhe Imst gut ausgebaute Radwege. Der Inn-Radweg führt hier durch flaches Gelände und ist auch für Familien mit Kindern geeignet. E-Bike-Verleih in Imst vorhanden.
Das Imster Schemenlaufen: Kulturerbe ohne Tourismusinszenierung
Das Imster Schemenlaufen ist seit 2012 UNESCO-Immaterielles Kulturerbe — kein Marketingtitel, sondern eine Anerkennung für eine Tradition, die seit dem 16. Jahrhundert nachweislich gepflegt wird und vollständig von der Bevölkerung getragen ist.
Das Schemenlaufen findet alle vier Jahre statt, das nächste Mal am 13. Februar 2028. Rund 900 Bewohnerinnen und Bewohner nehmen aktiv teil — als Maskenträger, Musikanten oder Organisatoren. Die Masken (Schemmen) werden aus Zirbenholz geschnitzt und in Familien weitergegeben. Kein einziger Aspekt ist für Touristen inszeniert: Die Fasnacht wäre dieselbe ohne ein einziges Kameraauge.
Für Besucher 2028: Frühzeitig Unterkunft buchen — Imst ist in diesen Tagen ausgebucht. Die Veranstaltung ist kostenlos zugänglich.
Stift Stams: Einen Abstecher wert
Rund 10 km östlich von Imst liegt das Zisterzienserkloster Stams (gegründet 1273), eines der bedeutendsten Barockklöster Tirols. Die vergoldete Rosengrabaltar-Anlage im Kircheninneren ist bemerkenswert. Stift Stams ist per Bus von Imst erreichbar. Eintritt für Führungen moderat. Nicht zu verwechseln mit einer touristischen Show — das Kloster ist aktiv bewohnt und bewirtschaftet.
Kulinarik in Imst: Was regional heißt
Imst ist keine Gourmethochburg — dafür eine Stadt, in der Gasthäuser noch für die Bevölkerung kochen, nicht nur für Urlauber. Das Preisniveau ist ehrlicher als in touristisch stärker frequentierten Regionen.
- Wochenmarkt Imst: Saisonaler Markt mit regionalen Produkten aus dem Inntal und Gurgltal. Direktkauf bei Erzeugern.
- Gasthäuser im Zentrum: Traditionelle Tiroler Küche — Tiroler Gröstl, Schlipfkrapfen (hier besonders verbreitet), Kaspressknödel. Keine Wellness-Karte, dafür faire Preise und hausgemachte Qualität.
- Almhütten auf Hoch-Imst: Saisonal geöffnet (Mai–Oktober), regionale Küche mit kurzen Lieferwegen. Die Almen beziehen Milchprodukte von Höfen im Gurgltal.
- Bäckereien: Imst hat noch eigenständige Bäckereien mit regionaler Produktion — besser als jede Hotelfrühstücks-Kettenware.
Familien in der Ferienregion Imst: Was wirklich funktioniert
- Rosengartenschlucht: Für Kinder ab 6 Jahren ein Erlebnis — enge Gassen, Brücken, Bachgeräusch. Kein Abstraktionslevel nötig.
- Alpine Coaster: Ab 8 Jahren allein, ab 3 Jahren mit Erwachsenem — direktes Feedback, regulierbare Geschwindigkeit.
- Bergbahn Hoch-Imst + Almwanderung: Gondel, Alm, Kühe, Hüttenjause. Standardprogramm, aber funktioniert.
- Urlaub am Bauernhof im Gurgltal: Tierpflege, Heuwenden, Almspaziergang — für Kinder die direkteste Naturerfahrung.
- Fernsteinsee und Blindsee: Ruhige Badeseen bei Nassereith, flache Einstiege, kein Badebetrieb mit Rutschen — geeignet für kleine Kinder.
Beste Reisezeit für Imst
Mai und Juni — Rosengartenschlucht gerade geöffnet, Almwege schneefrei, wenig Besucherandrang. Für Wanderungen ideal, Preise im unteren Bereich.
Juli und August — Hauptsaison, alles geöffnet. Rafting-Betrieb auf dem Inn läuft, Bergbahn voll in Betrieb. Imst ist auch im Sommer nicht überlaufen — kein Vergleich zu Ischgl oder dem Zillertal.
September und Oktober — Herbstwanderungen mit Lärchengold, Almhütten bis Mitte Oktober offen. Empfehlenswerte Reisezeit für Mehrtagestrekking.
Winter — Hoch-Imst bietet ein kleineres Skigebiet (nicht vergleichbar mit Arlberg oder Zugspitz Arena), dafür gut für Familien und Einsteiger. Schneeschuhwandern im Gurgltal. Wer 2028 das Schemenlaufen plant: Das ist im Winter.
Häufige Fragen zur Ferienregion Imst
Wie komme ich ohne Auto nach Imst?
Zug bis Bahnhof Imst-Pitztal (Arlbergbahn), dann Stadtbus ins Zentrum (ca. 10 Min.). Von Innsbruck: Regionalzug, ca. 30 Minuten, stündlich. VVT-Ticket gilt für alle Busverbindungen in der Region.
Was kostet der Eintritt zur Rosengartenschlucht?
Kostenlos — kein Eintritt, keine Registrierung. Die Schlucht ist von Mai bis Oktober zugänglich. Im Winter gesperrt.
Wann findet das Schemenlaufen das nächste Mal statt?
Am 13. Februar 2028. Unterkunft in Imst frühzeitig buchen — die Stadt ist an diesem Wochenende ausgebucht.
Welche Unterkünfte in Imst sind nachhaltig zertifiziert?
Auf umweltzeichen.at nach PLZ 6460 suchen. Für Bauernhöfe: landurlaub.at. Selbstbezeichnungen ohne Label sind keine verlässliche Grundlage.
Ist Imst für Familien geeignet?
Ja — besonders für Familien, die Natur und Kultur ohne große Besuchermassen suchen. Rosengartenschlucht, Alpine Coaster, Almwanderwege und Badeseen bei Nassereith sind gut zugänglich.
Nachhaltig in Imst: So planst du deinen Besuch
Imst profitiert von einem strukturellen Vorteil: Die Region ist schlicht weniger bekannt als das Zillertal oder Kitzbühel — und das hält Preise fair und Wege ruhig. Das bleibt so, solange Gäste bewusst wählen: mit der Bahn über den Bahnhof Imst-Pitztal anreisen, in zertifizierten Betrieben übernachten, die Rosengartenschlucht ohne Müll verlassen und lokale Gasthäuser statt Ketten wählen.
Dein nächster Schritt: Unterkunft auf umweltzeichen.at (PLZ 6460) suchen, Zugverbindung auf oebb.at prüfen, Rosengartenschlucht als Einstieg einplanen — kostenlos, direkt im Zentrum, kein Auto nötig.
Alle weiteren Tirol-Regionen findest du in unserem Tirol-Überblick mit allen 34 Urlaubsregionen.
Quellen:
Imst Tourismus, imst.at | Österreichisches Umweltzeichen, umweltzeichen.at | UNESCO Österreich, unesco.at (Imster Schemenlaufen) | VVT Verkehrsverbund Tirol, vvt.at | Stift Stams, stiftstams.at
