Nachhaltiger Urlaub im Südburgenland: Uhudler, Naturparks und Öffis
Kein Gedränge, keine Seepromenade: Im Südburgenland teilst du dir Weinhügel, Buschenschenken und Naturparks mit erstaunlich wenigen anderen. Die Region im äußersten Südosten Österreichs ist der leise Gegenpol zum Neusiedler See. Hier erfährst du, was Uhudler wirklich ist, welche Naturparks es gibt, wie du mit der Burgenland Card gratis mit Bus und Bahn anreist und was an der Nachhaltigkeit belegt ist.
Beiträge aus der Region Südburgenland
Radurlaub im Südburgenland ohne Auto: Mit Bus & Bike auf der Linie B2
Das Südburgenland kennt kaum jemand. Dabei liegt es keine zwei Stunden von Graz entfernt —…
Drei Weinberge Rundweg im Südburgenland: 14 Kilometer Wein, Stille und regionale Küche
Slow Travel ist keine Verzichtserklärung. Es ist die Entscheidung, langsamer zu reisen, um mehr wahrzunehmen…
Die Region: Hügelland zwischen Raab, Pinka und Lafnitz
Das Südburgenland umfasst die drei Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf und misst rund 1.471 Quadratkilometer. Im Osten und Süden grenzt es an Ungarn, im Westen an die Steiermark, dazu kommt ein kurzes Stück Grenze zu Slowenien. Am Dreiländereck bei Sankt Martin an der Raab treffen sich alle drei Länder. Graz liegt etwa 80 Kilometer entfernt, die ungarische Stadt Szombathely direkt hinter der Grenze im Osten.
Die Landschaft ist hügelig und deutlich waldreicher als der Norden des Burgenlands. Buchen- und Eichenwälder prägen sie, der Punitzer Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet. Flüsse wie Raab, Pinka und Lafnitz haben die Täler geformt. Der höchste Berg, der ganz in der Region liegt, ist der Große Hirschenstein mit 862 Metern. Für Bergfreunde wirkt das bescheiden, für Wanderungen ohne Trubel reicht es allemal.
Zur Abgrenzung: Den Neusiedler See mit Nationalpark und Radwegen im Flachland findest du unter Neusiedler See. Rund um Blaufränkischland und Naturpark Rosalia liegt das Sonnenland Mittelburgenland. Einen Überblick über das ganze Bundesland gibt die Seite Burgenland. Das Südburgenland ist kleiner im Auftritt und leiser, und genau das macht seinen Reiz aus.
Beste Reisezeit im Südburgenland
Eine Hochsaison im alpinen Sinn gibt es hier nicht. Welche Jahreszeit passt, hängt davon ab, ob du eher wandern, radeln oder einkehren willst. Genaue Öffnungszeiten von Buschenschenken, Museen und Bussen ändern sich, prüfe sie deshalb vor jeder Tour.
Frühling (April bis Mai): Die Wälder werden grün, die Wege in den Naturparks sind ruhig, und die Radsaison beginnt. Aus unserer Sicht ist das eine gute Zeit für die Naturparks und die Bahntrassen-Radwege, weil es noch nicht heiß ist.
Sommer (Juni bis August): Das Hügelland hat Anstiege, also plane Radtouren für den Vormittag. Die Badeseen der Region sind eine willkommene Abkühlung. Die Radbus-Verbindung der Linie B2 aus Graz lief 2025 als saisonales Angebot, frag den aktuellen Fahrplan vor der Buchung ab.
Herbst (September bis November): Aus unserer Sicht die schönste Zeit für Genießer. Die Trauben reifen, im Weinbaugebiet ist Lese, und die Wälder färben sich. Das ist die beste Gelegenheit, Uhudler und Blaufränkisch frisch zu probieren. Viele Buschenschenken haben nur an bestimmten Tagen offen, also ruf vorher an.
Winter (Dezember bis März): Ruhig und ohne Skibetrieb. Der Kurort Bad Tatzmannsdorf mit seiner Therme ist ganzjährig ein Ziel, Buschenschenken sind in dieser Zeit oft geschlossen. Wer kommt, kommt zum Baden, Spazieren und Ausruhen.
Anreise ohne Auto: Burgenland Card und Bus
Das Südburgenland ist kein klassisches Bahnziel. Der Bezirk Güssing ist laut Wikipedia sogar der einzige Bezirk Österreichs ohne Bahnanschluss. Dafür gibt es ein Angebot, das andere Regionen nicht haben: Übernachtungsgäste fahren mit der Burgenland Card gratis mit Bus und Bahn.
Was die Burgenland Card kann
Die Burgenland Card gibt es laut Burgenland Tourismus ab der ersten Nacht kostenlos, allerdings nur in Partnerbetrieben. Das sind über 670 Vermieter. Seit 1. Juni 2024 gilt sie für alle Busse und Bahnen im Burgenland sowie für das Anruf-Sammeltaxi BAST, das du telefonisch vorbestellst. Dazu kommen die Linien B1 und B2 von und nach Graz. Seit 1. März 2026 ist auch die Anreise aus Wien und Wiener Neustadt gratis. Ins Südburgenland führt zum Beispiel die Linie B01 von Wien Karlsplatz über Oberwart nach Güssing.
Wichtig zu wissen: Die Karte gilt nur im Burgenland. Strecken über die Landesgrenze hinaus brauchen ein normales Ticket. Frag bei der Buchung deiner Unterkunft nach, ob sie Partnerbetrieb ist, sonst bekommst du die Karte nicht automatisch. Anders als in manchen Alpenregionen sind hier also Bus und Bahn inklusive, Bergbahnen gibt es in dieser Hügelregion nicht.
Mit dem Rad auf der Linie B2
Die Linie B2 verbindet Graz mit Oberwart und Bad Tatzmannsdorf. Für Räder gab es 2025 ein Pilotprojekt, das nach Angaben des EU-Projekts Active2Public Transport bis 31. Oktober 2025 lief. Laut Burgenland Tourismus ist die Radmitnahme auf der B2 kostenlos, du musst sie mindestens 24 Stunden vorher anmelden. Der Bus wird in Graz 15 Minuten vor Abfahrt beladen, und die Kapazität ist begrenzt, im Pilotbetrieb waren es drei bis fünf Räder je nach Fahrzeug.
Ein ehrlicher Hinweis: Wir konnten nicht prüfen, wie der Radbus 2026 im Detail fährt. Ruf vor deiner Reise beim Verkehrsbetrieb an oder sieh in den Fahrplan auf vbb.at.
Die letzte Meile
Zwischen den Orten fahren Busse, aber nicht dicht. Plane deshalb Standort und Wege gemeinsam: Wer in Bad Tatzmannsdorf, Oberwart oder Güssing wohnt, kommt mit Bus, Rad und BAST ohne Auto gut durch. Für abgelegene Buschenschenken und Wanderstartpunkte brauchst du Rad, Taxi oder die Abholung durch deine Unterkunft.
Wein, Uhudler und Buschenschank
Das Weinbaugebiet Südburgenland ist mit rund 500 Hektar Rebfläche das kleinste Österreichs. Die meisten Betriebe werden im Nebenerwerb geführt, große Kellereien gibt es kaum. Das merkst du beim Einkehren: Die Weine kommen vom selben Hügel, auf dem du sitzt.

Eisenberg: Blaufränkisch vom Eisenboden
Rund um Eisenberg an der Pinka und Deutsch Schützen wächst Blaufränkisch auf eisenhaltigem, lehmigem Boden. Er trägt die Herkunftsbezeichnung Eisenberg DAC. Neun Gemeinden gehören dazu, unter anderem Güssing und Rechnitz. Laut Weinfachportal wein.plus ist Blaufränkisch mit gut 30 Prozent die wichtigste Sorte, dahinter kommt Welschriesling. Das Klima ist pannonisch mit viel Sonne, aber mit mehr Regen als im Nordburgenland, und die Wälder sorgen für kühle Nächte.
Uhudler: die Rarität aus dem Süden
Uhudler ist kein normaler Wein. Er wird aus Direktträger-Sorten wie Concord, Delaware, Elvira und Ripatella gekeltert. Diese Reben sind sehr widerstandsfähig gegen die Reblaus und andere Krankheiten. Das erklärt auch, warum sie nach der Reblauskrise im 19. Jahrhundert in dieser Region blieben.
Die Geschichte ist bewegt. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurde die Erzeugung ab den 1930er-Jahren schrittweise eingeschränkt, nach dem Weinskandal 1985 galt ein vollständiges Verbot. 1992 wurde Uhudler nach dem Einsatz eines Freundesvereins wieder erlaubt. Heute ist er ein eingetragenes traditionelles Produkt und auf die Bezirke Jennersdorf und Güssing beschränkt. Er schmeckt nach Waldbeeren, Himbeeren und Erdbeeren, mit deutlicher Säure und dem typischen „Foxton“-Ton der Direktträger. Die Farbe reicht bei Rotem von blassem Rosé bis Ziegelrot.
Uhudler ist Geschmackssache. Probier ein Glas beim Winzer, bevor du eine Flasche kaufst. Mehr zu Uhudler und Wanderweg gibt es im Artikel zum Drei Weinberge Rundweg.
Buschenschank: einkehren beim Winzer
In der Buschenschank schenken Winzerfamilien ihren eigenen Wein und Saft aus und servieren dazu Jause aus eigener Erzeugung. Achte auf die Öffnungstage, denn viele Betriebe sperren nur an bestimmten Tagen oder in bestimmten Wochen auf. Nicht jede Buschenschank serviert warme Speisen, plane für ein Mittagessen also eine Alternative ein.

Naturparks: Weinidylle, Raab und Geschriebenstein
Das Südburgenland hat keinen Nationalpark, aber drei Naturparks in oder an der Region. Naturparks sind Schutzgebiete, in denen Naturschutz, Erholung und Bildung zusammen gedacht werden, sie sind aber weniger streng geschützt als ein Nationalpark. Das ist ein Unterschied, den du beim Besuch im Kopf behalten solltest: Bleib auf markierten Wegen, denn Wiesen und Auen sind Brutgebiet und Lebensraum.
Naturpark in der Weinidylle
Der Naturpark im Bezirk Güssing umfasst rund 7.270 Hektar Hügelland zwischen unterer Pinka und dem Strem. Er verbindet kleine Weingärten und Kellerviertel mit Feuchtwiesen. Im Stremtal wachsen seltene Pflanzen wie der Lungen-Enzian, dazu kommen Vögel wie Wiedehopf und Weißstorch. Die Kellergasse von Heiligenbrunn mit ihren 106 geschützten strohgedeckten Kellerstöckln liegt hier. Das Naturparkzentrum in Güssing hat laut Betreiber ganzjährig offen und kostet keinen Eintritt.
Naturpark Raab-Őrség-Goričko
Dieser Naturpark ist grenzüberschreitend: Österreich, Ungarn und Slowenien haben Anteil. Auf burgenländischer Seite gehören 14 Gemeinden dazu. Die Flüsse Raab und Lafnitz bilden Auen, in denen laut der Naturparkbroschüre Biber, Eisvogel und die seltene Hundszahn-Lilie vorkommen. Bekannt ist der Park auch für Streuobstwiesen mit über 260 Obstsorten. Auf der Raab und der Lafnitz ist Kanufahren möglich, dazu gibt es Themenwege.
Naturpark Geschriebenstein-Írottkő
Der Geschriebenstein ist mit 884 Metern der höchste Punkt des Burgenlands. Der Naturpark umfasst laut Burgenland Tourismus rund 8.500 Hektar und reicht über die ungarische Grenze. Er liegt an der Nordgrenze der Region, der Gipfel selbst gehört laut Wikipedia bereits zum Bezirk Oberpullendorf im Mittelburgenland. Oben steht eine Aussichtswarte. Rechnitz am Rand des Naturparks bietet sich als Ausgangsort an.
Wandern, Radfahren und Kanufahren
Die Höhenunterschiede sind moderat, aber vorhanden. Mit dem E-Bike ist die Region entspannt, mit einem normalen Rad rechnest du mit spürbaren Anstiegen. Die Beschilderung ist auf den offiziellen Routen gut, abseits davon hilft eine Offline-Karte, weil der Mobilfunkempfang in Tälern und Wäldern lückenhaft sein kann. Nimm ausreichend Wasser und Sonnenschutz mit, denn offene Weinhänge bieten im Sommer wenig Schatten.
Vier Radrouten im Überblick
Die folgenden Angaben stammen aus einem Radführer des Magazins 1000things, prüfe Länge und Verlauf vor der Tour in der Routenbeschreibung des Tourismusverbands.
- Paradiesroute Südburgenland: rund 262 Kilometer, ab Oberwart durch drei Naturparks, entlang von Raab und Lafnitz, mit Einkehr in Buschenschenken und vorbei an der Friedensburg Schlaining. Als schwer eingestuft, du teilst sie dir besser in Etappen.
- Bahntrassen-Radweg: etwa 42 Kilometer von Oberschützen nach Rechnitz, zur Hälfte auf einer ehemaligen Bahntrasse. Als mittelschwer eingestuft, mit Badeseen am Weg.
- B57 Weinidylleradweg: knapp 100 Kilometer durch die Weinberge bei Eisenberg zur Kellergasse Heiligenbrunn, mit Weinmuseum in Moschendorf.
- B72 Uhudler-Radweg: 38 Kilometer von Königsdorf bis Heiligenkreuz an der ungarischen Grenze, mit zwei Anstiegen.
Mehr zur Anreise mit dem Rad findest du im Artikel Radurlaub im Südburgenland ohne Auto.
Wandern und Paddeln
Zum Wandern eignen sich die Naturparks mit ihren Themenwegen und die Weinberge. Der Drei Weinberge Rundweg führt in etwa 14 Kilometern durch die Weinlagen bei Eisenberg, den Weg beschreiben wir im eigenen Artikel. Wer Wasser mag, paddelt auf der Raab oder der Lafnitz. Bei Niedrigwasser sind Flüsse im Sommer manchmal schlecht befahrbar, frag beim Verleih nach dem aktuellen Wasserstand.
Bad Tatzmannsdorf: Kurort und Therme
Bad Tatzmannsdorf gilt als größter Kurort des Burgenlands. Die Mineralquellen sind seit Jahrhunderten bekannt, im 19. Jahrhundert kamen Gäste aus Wien. Seit 1926 trägt der Ort das „Bad“ im Namen. Die Therme des AVITA Resorts öffnete 1995, dazu kommt ein Zentrum für Herzrehabilitation. Auch das Freilichtmuseum mit Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert und das Kurmuseum sind einen Besuch wert.
Weitere Thermen liegen in Stegersbach und im nahen steirischen Loipersdorf. Zu Wasser- und Energieverbrauch der einzelnen Thermen haben wir keine belegten Zahlen gefunden. Thermen brauchen viel Energie, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Wenn dich das Thema interessiert, frag direkt beim Haus nach, denn Gäste-Fragen machen es sichtbar. Plane besser zwei bis drei Nächte statt eines Tagesausflugs, dann steht die Anreise in einem guten Verhältnis zum Aufenthalt.
Kultur und Tradition: Burgen, Keller, Friedensmuseum
Die Burg Güssing steht auf einem Vulkankegel und ist nach Angaben von Wikipedia die älteste Burganlage des Burgenlands. Ihre Wurzeln reichen ins 12. Jahrhundert, die Herrschaft Güssing liegt seit 1522 bei der Familie Batthyány, und seit 1840 gehört sie der Fürst Philipp Batthyány-Strattmann-Stiftung. Öffnungszeiten und Preise prüfst du auf der Website der Burg.
Die Burg Schlaining in Stadtschlaining wurde im 12. oder 13. Jahrhundert erbaut und im 15. Jahrhundert von Andreas Baumkircher zur Festung ausgebaut. Heute beherbergt sie das Europäische Museum für Frieden und das Österreichische Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung. Das ist eine ungewöhnliche Nutzung für eine Burg und einen Besuch wert.
Dazu kommen die Kellerviertel. Neben der Kellergasse Heiligenbrunn lohnt das Weinmuseum in Moschendorf. Kellerstöckl sind traditionelle Weinkeller, in Heiligenbrunn stehen sie mit Strohdach unter Schutz.
Für wen lohnt sich das Südburgenland?
Die Region passt nicht zu jedem Urlaubstyp gleich gut. Damit du schneller einschätzen kannst, ob sie zu dir passt, haben wir die Angebote nach Reisetypen sortiert.
- Mit Kindern: Der Bahntrassen-Radweg ist laut Burgenland Tourismus überwiegend flach und asphaltiert, am Weg liegen Badeseen. Dazu kommen das Freilichtmuseum in Bad Tatzmannsdorf und die Themenwege im Naturpark Raab. Einen klassischen Freizeitpark gibt es nicht, dafür viel Platz zum Laufen und Entdecken.
- Aktiv unterwegs: Die Paradiesroute lässt sich in Etappen fahren, dazu kommen Wanderwege in drei Naturparks und Paddeln auf Raab und Lafnitz. Rechne mit Höhenmetern und einer Offline-Karte im Gepäck.
- Genuss und Kultur: Buschenschenken, Uhudler und Blaufränkisch, dazu Burg Güssing, Friedensburg Schlaining und die Kellerviertel. Der Kurort Bad Tatzmannsdorf rundet das mit Thermenzeit ab.
- Mit kleinem Budget: Die Burgenland Card spart dir die Fahrtkosten im Land, wenn deine Unterkunft Partnerbetrieb ist. Das Naturparkzentrum in Güssing kostet laut Betreiber keinen Eintritt, und Wanderungen und Radwege sind ohnehin gratis.
Wenn du Strandleben, Wassersport auf einem großen See oder ein dichtes Freizeitangebot suchst, bist du am Neusiedler See besser aufgehoben. Das Südburgenland ist die Region für alle, die lieber langsam reisen und sich Zeit für einen einzigen Hügel nehmen.
Wie nachhaltig ist das Südburgenland wirklich?
Vorweg das Belegte: Nach Angaben von Burgenland Tourismus sind die drei Burgenland-Destinationen Nord, Mitte und Süd seit Mai 2025 mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Tourismusdestinationen zertifiziert. Zusätzlich trägt das Burgenland das internationale TourCert-Siegel. Die Zertifikate wurden laut Medienbericht am 7. Juli 2025 übergeben, es war nach Angaben der Veranstalter die erste flächendeckende Doppelzertifizierung eines ganzen Bundeslandes in Österreich.
Was das bedeutet und was nicht: Es ist ein Siegel für die Destination, nicht für einen einzelnen Betrieb. Es sagt etwas über Strategie, Mobilität und Zusammenarbeit der Region aus, nicht über das Hotel, in dem du schläfst. Zertifikate ändern sich, den aktuellen Stand einzelner Betriebe findest du auf umweltzeichen.at.
Ein Lehrstück: das Güssinger Energiemodell
Güssing wurde ab den frühen 1990er-Jahren als Vorreiter für erneuerbare Energie bekannt. Die Stadt baute ein Holzvergasungs-Kraftwerk, das nach Angaben von Wikipedia bis 2005 mehr Wärme und Strom aus erneuerbaren Rohstoffen erzeugte, als vor Ort verbraucht wurde. Das Bild hat aber Risse: Das Biomassekraftwerk wurde 2013 zahlungsunfähig, danach sank die Selbstversorgung der Gemeinde laut Wikipedia auf 51 Prozent. Der Fall zeigt, dass Energiewende auf Dauer mehr braucht als eine gute Anlage.
Nachhaltig übernachten
Wir nennen hier bewusst keine einzelnen Unterkünfte, weil wir im Rahmen unserer Recherche keine geprüften Betriebe mit belegten Nachhaltigkeitsangaben in der Region gefunden haben. Das heißt nicht, dass es keine gibt, nur dass wir es nicht belegen können. Suche auf umweltzeichen.at nach zertifizierten Betrieben, oder schau dir Bio-Bauernhöfe und Privatzimmer abseits der großen Häuser an. Achte auch darauf, ob die Unterkunft Partnerbetrieb der Burgenland Card ist, denn dann ist deine Anreise mit Bus und Bahn im Land kostenlos.
Häufige Fragen zum Südburgenland
Wo liegt das Südburgenland?
Im äußersten Südosten Österreichs, in den Bezirken Oberwart, Güssing und Jennersdorf. Es grenzt an die Steiermark, an Ungarn und an Slowenien. Graz liegt rund 80 Kilometer entfernt, der Neusiedler See deutlich weiter nördlich.
Was ist Uhudler?
Ein Wein aus Direktträger-Sorten wie Concord, Delaware und Elvira, der nach Waldbeeren schmeckt und auf die Bezirke Jennersdorf und Güssing beschränkt ist. Er war lange verboten und ist seit 1992 wieder erlaubt.
Kann ich das Südburgenland ohne Auto besuchen?
Ja, mit Planung. Mit der Burgenland Card fährst du als Übernachtungsgast in Partnerbetrieben gratis mit Bus und Bahn, auch aus Graz und seit März 2026 aus Wien. Für abgelegene Ziele brauchst du Rad, BAST-Taxi oder Abholung durch die Unterkunft.
Was kostet die Burgenland Card?
Nichts, wenn du in einem Partnerbetrieb übernachtest. Sie gilt ab der ersten Nacht für den ganzen Aufenthalt. Strecken über die Landesgrenze brauchen ein normales Ticket.
Ist das Südburgenland nachhaltig zertifiziert?
Als Destination ja: Österreichisches Umweltzeichen seit Mai 2025 und TourCert. Das ist ein Siegel für die Region, nicht für einzelne Hotels. Einzelne Betriebe prüfst du auf umweltzeichen.at.
Ist das Südburgenland zum Radfahren geeignet?
Ja, aber es ist hügelig. Mit E-Bike entspannt, mit normalem Rad rechnest du mit Anstiegen. Familien und weniger Geübte wählen den Bahntrassen-Radweg, der zur Hälfte auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft.
Fazit: Wenig Trubel, viel Wein und ein bisschen Planung
Das Südburgenland ist keine Hochglanzdestination, und das ist sein größter Vorzug. Es hat Uhudler, drei Naturparks, Buschenschenken und mit der Burgenland Card einen echten Anreiz, das Auto stehen zu lassen. Ehrlich gesagt braucht der Besuch etwas Vorbereitung: Bus und Rad brauchen Planung, einzelne nachhaltige Betriebe konnten wir nicht belegen, und Buschenschenken haben nicht immer offen. Wer das weiß, bekommt eine Region, die mehr bietet, als der Name verspricht.
Vorschlag für ein langes Wochenende ohne Auto: Freitag mit der Linie B01 ab Wien Karlsplatz oder mit der B2 aus Graz anreisen, Unterkunft in Bad Tatzmannsdorf oder Güssing. Samstag zum Naturpark in der Weinidylle und zur Kellergasse Heiligenbrunn, am Nachmittag eine Buschenschank. Sonntag zur Burg Güssing oder Friedensburg Schlaining, dann Rückreise.
Offizielle Infos: suedburgenland.info (Tourismusverband) · burgenland.info und card.burgenland.info (Burgenland Card) · weinidylle.at (Naturpark) · vbb.at (Fahrplan B2) · umweltzeichen.at (zertifizierte Betriebe)
Weitere Burgenland-Regionen: Burgenland-Übersicht | Neusiedler See | Sonnenland Mittelburgenland
Quellen: Burgenland Tourismus (Nachhaltigkeit, Burgenland Card, Naturpark Geschriebenstein) | Südburgenland Tourismus (Burgenland Card) | Leadersnet.at, 13. Juli 2025 (Doppelzertifizierung) | Interreg Danube, Active2Public Transport (Linie B2) | Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (Uhudler) | wein.plus und Meininger (Weinbaugebiet, Eisenberg DAC) | Naturparke Burgenland, Regionalmanagement Burgenland (Naturpark Raab, 2019) | mamilade.at (Naturpark in der Weinidylle) | Wikipedia (Südburgenland, Bad Tatzmannsdorf, Güssing, Stadtschlaining) | 1000things Magazine (Radrouten)
