Radurlaub im Südburgenland ohne Auto: Mit Bus & Bike auf der Linie B2

Das Südburgenland kennt kaum jemand. Dabei liegt es keine zwei Stunden von Graz entfernt — und seit Juni 2025 fährt die Buslinie B2 direkt dorthin, kostenlose Fahrradmitnahme inklusive. Hügelland statt Flachland, Weingärten statt Massentrubel, Buschenschenken statt Hotelbuffet. Für Entdeckerinnen, die nachhaltiges Reisen nicht als Verzicht, sondern als die bessere Art des Reisens verstehen, ist das eine echte Option.

Die Linie B2: Kostenlose Fahrradmitnahme von Graz ins Südburgenland
Seit dem 21. Juni 2025 betreibt die Verkehrsbetriebe Burgenland GmbH (VBB) die Linie B2 als saisonale Verbindung zwischen Graz und dem Südburgenland. Das Besondere: Auf ausgewählten Verbindungen ist die Fahrradmitnahme kostenlos — kein Aufpreis, kein Reservierungspflicht bei ausreichend Kapazität.
Das ist kein kleines Programm. Es ist ein struktureller Schritt hin zu autofreiem Radurlaub in einer Region, die bisher vor allem mit dem eigenen Pkw erreichbar war.
Die Route: Von Graz nach Bad Tatzmannsdorf und Oberwart
Die Linie B2 verbindet Graz mit den beiden zentralen Orten des Südburgenlands: Bad Tatzmannsdorf — bekannt für sein Thermalangebot und als Ausgangspunkt für Radtouren ins Weingürtel — und Oberwart, das als Verkehrsknotenpunkt der Region gilt. Die Fahrzeit beträgt je nach Haltestellen zwischen 1 Stunde 30 Minuten und knapp 2 Stunden.
Für Radfahrerinnen bedeutet das: Du verlädst dein Rad in Graz, fährst entspannt ins Burgenland, und steigst in Bad Tatzmannsdorf oder Oberwart direkt in den Sattel — ohne Parkplatzsuche, ohne Stau.
Fahrplan und praktische Details
Die Linie B2 verkehrt saisonal (Sommer und Herbst) und an Wochenenden mit höherer Frequenz. Wochentags ist die Verbindung eingeschränkter. Aktuelle Abfahrtszeiten und Fahrradkapazitäten findest du auf der Website der Verkehrsbetriebe Burgenland (vbb.at) oder im Fahrplanauskunftssystem des VOR.
Ein Hinweis, der zur Ehrlichkeit gehört: Die Fahrradkapazität pro Bus ist begrenzt — in der Regel zwei bis vier Räder. An stark frequentierten Sommerwochenenden empfiehlt sich eine frühzeitige Abfahrt oder ein Ausweichen auf weniger ausgelastete Verbindungen.
Was erwartet dich im Südburgenland?
Das Südburgenland ist das Gegenprogramm zum Neusiedler See-Tourismus. Keine Seenpromenaden, keine Strandliegestühle, kein Sommer-Massentrubel. Stattdessen: sanfte Hügel, Weingartenzeilen, schmale Landstraßen mit kaum Autoverkehr, und Buschenschenken, die ihren Wein aus dem eigenen Keller ausschenken.
Hügelland, Weingärten und unbekannte Radwege
Die Topografie des Südburgenlands ist anders als die Flachlandidylle des Nordens: hier gibt es Höhenunterschiede von 100 bis 200 Metern auf einem Tagespensum, nichts Dramatisches, aber genug um echtes Pedalieren zu erfordern. Die Aussicht auf Weingärten und waldbedeckte Hügelkuppen entschädigt dafür mehrfach.
Das Radwegenetz ist nicht so dicht wie rund um den Neusiedler See, aber für eine mehrtägige Tour mit 35 bis 60 Kilometern pro Tag vollständig ausreichend. Besonders ruhig: Strecken durch die Weinbaugemeinden zwischen Bad Tatzmannsdorf, Stegersbach und Güssing.
Naturpark Geschriebenstein-Írottkő: Waldwege statt Massentourismus
Im Norden des Südburgenlands liegt der Naturpark Geschriebenstein-Írottkő — ein grenzüberschreitender Naturpark zwischen Österreich und Ungarn. Das Gebiet ist kaum bekannt, was ein Vorteil ist: gut ausgeschilderte Waldwege, ein ruhiges Schutzgebiet, und die Möglichkeit, von Österreich aus in die ungarische Seite weiterzufahren. Der Geschriebenstein selbst ist mit 884 Metern der höchste Berg des Burgenlands.
Nachhaltigkeit im Südburgenland: Was belegt ist
Das Südburgenland trägt — gemeinsam mit dem Mittel- und Nordburgenland — das Österreichische Umweltzeichen für Tourismusregionen und ist TourCert-zertifiziert. Beide Zertifizierungen erfordern externe Überprüfung und stellen konkrete Anforderungen an Mobilität, regionale Wertschöpfung und Ressourcenschutz.
Buschenschenken: Lokalität auf dem Teller (und im Glas)
Das Südburgenland hat eine eigene Schenkentradition: Buschenschenken dürfen ausschließlich selbst produzierte Getränke und kalte Speisen aus eigener Herstellung ausschenken. Kein zugekauftes Industriekäsebrett, keine anonyme Weinflasche vom Großhändler. Das ist regionale Wertschöpfung in Reinform.
Zwei Einschränkungen, die zur Ehrlichkeit gehören: Erstens haben Buschenschenken keine Dauernutzung — sie öffnen nach festen Rhythmen (in der Regel einige Wochen pro Jahr oder an bestimmten Wochentagen). Eine Vorab-Recherche ist notwendig. Zweitens servieren nicht alle Buschenschenken warme Speisen; für ein Mittagessen brauchst du alternative Planung.
Routenvorschläge für zwei bis drei Tage
Route 1: Bad Tatzmannsdorf — Güssing — Neuhaus am Klausenbach (ca. 60 km, zwei Tage)
Startpunkt ist Bad Tatzmannsdorf, das du per Linie B2 erreichst. Von dort führt ein ruhiger Radweg Richtung Güssing — eine Burg-Stadt im Hügelland, deren mittelalterliches Zentrum und regionale Bioenergiegeschichte (Güssing ist seit den 1990er Jahren Pionier in erneuerbarer Energie) einen Stopp wert sind. Weiter nach Neuhaus am Klausenbach: ein kleines Grenzdorf am Raab-Fluss, mit direktem Zugang zum Naturpark Raab-Örség-Goričko. Tagespensum: 25 bis 35 Kilometer pro Tag, moderate Hügel, kaum Autoverkehr auf den empfohlenen Nebenstraßen.
Route 2: Oberwart — Stegersbach — Weinberge Südburgenland (ca. 45 km, ein bis zwei Tage)
Wer Oberwart als Einstieg wählt, hat direkten Zugang zum Weingebiet um Stegersbach und Kohfidisch. Diese Route ist hügeliger, dafür mit höherer Aussichtsdichte: Von mehreren Weingarten-Anhöhen aus siehst du bei klarem Wetter bis nach Ungarn und Slowenien. Entlang der Strecke liegen mehrere Buschenschenken — eine Tages-Etappe mit geplanter Jause-Pause ist hier das richtige Format.
Unterkünfte: Was „Urlaub vom Auto“ bedeutet
In der Region gibt es eine wachsende Zahl von Unterkünften mit dem „Urlaub vom Auto“-Prädikat — vergeben für Betriebe, die autofreie Gäste vollständig unterstützen: Fahrradabstellplatz mit Lademöglichkeit (für E-Bikes), Gepäckdienst, ÖPNV-Information und idealerweise ein Leihrad-Angebot.
Was das Südburgenland hier noch aufzuholen hat: Das Netz der „Urlaub vom Auto“-Betriebe ist im Süden des Burgenlands noch weniger dicht als rund um den Neusiedler See. Es gibt gute Einzelbetriebe, aber keine flächendeckende Infrastruktur. Empfehlenswert: direkt beim Tourismusverband Südburgenland (suedburgenland.info) nach Betrieben fragen, die aktiv mit dem ÖPNV-Anschluss werben.
FAQ
Wann fährt die Linie B2 und wie kann ich das Fahrrad mitnehmen?
Die Linie B2 der Verkehrsbetriebe Burgenland verkehrt saisonal (Sommer und Herbst), mit stärkerem Angebot an Wochenenden. Fahrräder können auf ausgewählten Verbindungen kostenlos mitgenommen werden; die Kapazität ist begrenzt (in der Regel zwei bis vier Räder pro Bus). Aktuelle Abfahrtszeiten: vbb.at oder die VOR-Fahrplanauskunft.
Ist das Südburgenland auch für weniger trainierte Radfahrerinnen geeignet?
Eingeschränkt. Das Südburgenland ist hügeliger als der Neusiedler See-Bereich — Tagestouren mit 200 bis 300 Höhenmetern sind typisch. Für E-Bikefahrerinnen ist das kein Problem; mit einem Standardrad solltest du realistische Tagespensum von 30 bis 45 km einplanen. Die Region ist nichts für Menschen, die ausschließlich flache Wege suchen.
Gibt es Fahrradverleih vor Ort?
In Bad Tatzmannsdorf und Güssing gibt es Verleihangebote, allerdings nicht so dicht wie rund um den Neusiedler See. Empfehlung: Verleihanbieter vorab direkt kontaktieren und reservieren, besonders an Sommerwochenenden.
Was ist das Österreichische Umweltzeichen für Tourismusregionen?
Das Österreichische Umweltzeichen für Tourismusregionen ist ein Gütesiegel des Bundesministeriums für Klimaschutz. Es setzt konkrete Anforderungen voraus — unter anderem zu ÖPNV-Förderung, regionaler Wertschöpfung und Umweltschutzmaßnahmen — und wird regelmäßig extern überprüft. Das Südburgenland trägt dieses Siegel gemeinsam mit der TourCert-Zertifizierung. Es ist kein Selbst-Label, sondern ein geprüftes Versprechen.
Kann ich die B2-Verbindung auch für eine Eintagestour nutzen?
Ja, das ist möglich — du fährst morgens nach Bad Tatzmannsdorf oder Oberwart, radst eine 30- bis 40-km-Runde und fährst abends zurück nach Graz. Achte auf die Rückfahrtzeiten; an Sonn- und Feiertagen gibt es weniger Verbindungen am Abend. Empfehlung: Fahrplan vor der Tour prüfen.
Fazit: Das Südburgenland verdient mehr Aufmerksamkeit
Die Linie B2 macht eine Reise möglich, die bis 2025 so kaum denkbar war: per Bus von Graz ins Südburgenland, mit dem Fahrrad hinterher, und zurück ohne Auto. Das ist keine Notlösung — das ist eine bessere Art, diese Region zu erleben.
Das Südburgenland ist kein Hochglanztourismusziel, und das ist sein stärkster Vorzug. Wer Authentizität, regionale Küche und unbekannte Radwege sucht, findet hier eine Region, die noch nicht entdeckt wurde — und das mit zertifiziertem Nachhaltigkeitsfundament (Österreichisches Umweltzeichen + TourCert).
Quellenangaben: Verkehrsbetriebe Burgenland GmbH (2025): Linie B2, vbb.at · Südburgenland Tourismus (2025): Radfahren im Südburgenland, suedburgenland.info · Burgenland Tourismus (2025): Urlaub vom Auto, burgenland.info · TourCert (2024): tourcert.org · Österreichisches Umweltzeichen / BMK (2024): umweltzeichen.at
