Die schönsten Mauern entdecken – Wandern und Radfahren entlang historischer Steinmauern in Vorarlberg

Stell dir vor, du radelst an einem sonnigen Tag durchs Montafon oder wanderst auf alten Pfaden oberhalb des Rheintals. Plötzlich tauchen sie am Wegrand auf: jahrhundertealte Natursteinmauern, die sich wie stumme Zeitzeugen durch die Landschaft ziehen. Sie stützen Wege, säumen steile Hänge, umrahmen Weingärten oder schützen Almen und Maisäße. Viele dieser Mauern sind über 100, manche sogar über 500 Jahre alt – und jede erzählt ihre eigene Geschichte.

Mauern als Kulturgut und Handwerkstradition

Die „Schriftenreihe 30 Natursteinmauern in Vorarlberg“ beschreibt eindrucksvoll, wie vielfältig die Erscheinungsformen dieser Mauern sind: „Mauern können alleine stehen oder im Ensemble mit anderen. Mal stützen sie einen Weg, dann einen Weingarten oder eine Wiese. Als mächtige Barrieren schützen sie Häuser und Felder vor Naturgefahren.“ Schriftenreihe 30 Natursteinmauern in Vorarlberg.pdf 

Jede Mauer ist ein Unikat, gebaut von Menschen, die mit viel Geschick und Erfahrung die Steine der Region aufeinander geschichtet haben. Oft stehen diese Mauern noch an Orten, wo vor Jahrhunderten Wein angebaut wurde oder der Viehtrieb auf die Alpen stattfand. Sie sind lebendige Zeugnisse von Arbeit, Kultur und Respekt vor der Natur.

Auf Spurensuche: Mauern als Wegbegleiter

Wer Vorarlberg zu Fuß oder mit dem Rad erkundet, begegnet diesen Mauern überall – im Montafon, im Bregenzerwald, im Rheintal und in den Seitentälern. Besonders eindrucksvoll ist die Grenzmauer zwischen Maisäß und Alpe im Gauertal bei Tschagguns: Hier zieht sich eine mächtige Steinmauer durch die Landschaft, die einst als Grenze und Schutz diente und heute ein beliebtes Fotomotiv für Wandernde ist.

Doch es sind nicht nur die großen, bekannten Mauern, die faszinieren. Auch kleine, verwitterte Mauern am Waldrand, uralte Stützmauern an alten Römerwegen oder versteckte Weinberganlagen erzählen von vergangenen Zeiten. Sie sind „Träger von Geschichte und Geschichten“ – wie es die Schriftenreihe formuliert – und verwurzeln die Menschen mit ihrem Ort.

Erlebniswandern: Warum Mauern begeistern

Das Besondere an Wanderungen und Radtouren entlang dieser Mauern ist das unmittelbare Natur- und Kulturerlebnis. Die Mauern bieten Orientierung, erzählen von der Arbeit früherer Generationen und eröffnen immer wieder neue Perspektiven auf die Landschaft. Viele Wege führen absichtlich an den schönsten Mauern vorbei oder nutzen historische Mauerrouten als Teil des Wandererlebnisses.

Einige Tipps für einen bewussten Mauerspaziergang:

  • Nimm dir Zeit, die Details zu entdecken: Moose, Farne, kleine Tiere und seltene Pflanzen in den Fugen.
  • Lies lokale Infotafeln – oft erfährst du spannende Geschichten über Bauweise, Alter und Bedeutung der Mauern.
  • Respektiere die Bauwerke: Klettere nicht auf die Mauern und beschädige keine Steine oder Pflanzen.

Tourenvorschläge: Die schönsten Mauern Vorarlbergs erleben

Egal ob du lieber wanderst oder mit dem Rad unterwegs bist – Vorarlberg bietet zahlreiche Routen, auf denen du Natursteinmauern hautnah erleben kannst. Hier findest du eine Auswahl an Touren, die sich für verschiedene Ansprüche eignen und dich an besonders beeindruckenden Mauern vorbeiführen.

1. Gauertal – Auf den Spuren der Grenzmauer

Die Grenzmauer zwischen Maisäß und Alpe im Gauertal bei Tschagguns ist ein echtes Highlight. Vom Parkplatz Latschau startest du zu Fuß Richtung Gauertalhaus. Der Weg führt dich durch eine eindrucksvolle Landschaft, vorbei an der historischen Mauer, die einst als Grenze und Schutz für Vieh und Menschen diente. Besonders im Frühling und Herbst, wenn das Licht weich ist, bietet die Mauer ein tolles Fotomotiv.

Tipp: Nimm dir Zeit, die Details zu betrachten – jede Steinreihe erzählt von Handwerkskunst und Geschichte. Tafeln am Weg informieren über die Entstehung und Bedeutung der Mauer.

2. Weinwanderung im Vorderland – Mauern und Reben

Im Vorderland, rund um die Gemeinden Röthis, Sulz und Rankweil, findest du zahlreiche alte Weinbergsmauern. Eine Wanderung auf dem Weinwanderweg Rankweil führt dich durch sanfte Hügel, vorbei an Trockenmauern, die früher die Weingärten stützten. Viele dieser Mauern sind über 200 Jahre alt und bieten Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere.

Highlight: Im Sommer blühen zwischen den Steinen Wildblumen und Kräuter – ein Paradies für Insekten und Fotografen.

3. Radeln im Rheintal – Von Mauer zu Mauer

Das Rheintal eignet sich perfekt für eine entspannte Radtour, bei der du verschiedene Mauerarten entdecken kannst: Stützmauern an alten Wegen, Mauern entlang von Bächen und kleine Feldbegrenzungen. Starte zum Beispiel in Feldkirch und folge dem Radweg Richtung Rankweil, wo du immer wieder auf historische Mauern triffst.

Tipp: Plane ein Picknick an einer ruhigen Stelle – viele Mauern bieten schattige Plätze zum Verweilen.

4. Familienwanderung im Bregenzerwald

Im Bregenzerwald findest du viele kurze, familienfreundliche Wanderungen, die an Natursteinmauern vorbeiführen. Besonders rund um Bezau und Mellau gibt es zahlreiche Lehrpfade, die das Thema Mauern, Biodiversität und Landschaftspflege spielerisch vermitteln.

Highlight: Viele Wege sind mit Infotafeln ausgestattet und bieten Stationen zum Entdecken und Ausprobieren für Kinder.

Praktische Tipps & Inspiration für deine Mauertour

Damit deine Wanderung oder Radtour entlang der historischen Steinmauern zu einem besonderen Erlebnis wird, findest du hier wertvolle Hinweise und Inspiration:

Vorbereitung & Ausrüstung

  • Karte & Infos: Informiere dich vorab über die Route. Viele Gemeinden und Tourismusbüros bieten spezielle Mauerkarten oder Broschüren an.
  • Wetter: Gerade im Gebirge kann das Wetter schnell umschlagen – packe Regenjacke und Sonnenschutz ein.
  • Schuhe: Feste Wanderschuhe oder griffige Sportschuhe sind sinnvoll, da viele Mauerrouten über Naturwege führen.

Verhalten unterwegs – Respekt für Mauern und Natur

  • Nichts beschädigen: Klettere nicht auf Mauern, löse keine Steine und pflücke keine Pflanzen aus den Fugen.
  • Lebensraum schützen: Beobachte Tiere und Pflanzen, aber störe sie nicht. Viele Mauern sind wichtige Rückzugsorte für seltene Arten.
  • Müll vermeiden: Nimm alles wieder mit, was du mitgebracht hast – so bleibt die Landschaft sauber.
  • Rücksicht auf Privateigentum: Viele Mauern stehen auf Privatgrund. Bleibe auf den Wegen und respektiere Zäune und Hinweise.

Nachhaltig aktiv werden

  • Mauerpatenschaft: Manche Gemeinden bieten Patenschaften für den Erhalt von Mauern an – ein tolles Projekt für Familien, Vereine oder Schulklassen.
  • Workshops besuchen: Lerne in einem Kurs, wie man Trockenmauern baut oder pflegt – ein Erlebnis, das Wissen und Natur verbindet.
  • Eigene Projekte: Plane eine kleine Trockenmauer im eigenen Garten – schon ein paar Steine schaffen neuen Lebensraum.

Extra-Tipp: Geschichten sammeln

Sprich mit Einheimischen auf deiner Tour – oft kennen sie spannende Geschichten oder alte Legenden rund um die Mauern. Vielleicht findest du so Inspiration für deinen nächsten Ausflug oder einen Blogbeitrag.

Fazit: Mauern als Erlebnis und Verantwortung

Die historischen Natursteinmauern Vorarlbergs sind weit mehr als hübsche Kulisse. Sie sind Teil unserer Geschichte, prägen das Landschaftsbild und bieten Lebensraum für viele Arten. Mit jeder Wanderung oder Radtour entlang dieser Mauern wächst das Bewusstsein für ihre Bedeutung – und vielleicht auch die Lust, selbst aktiv zu werden. Jeder Schritt entlang der Mauer ist ein Schritt für den Erhalt dieses wertvollen Kulturguts.

Philipp Walz
Philipp Walz

Ich bin Philipp und brenne für nachhaltiges Reisen. Die Idee zu nachhaltigertourismus.at entwickelte ich während meines Masterstudiums in Green Marketing an der FH Wiener Neustadt – aus der Erkenntnis heraus, dass herkömmlicher Tourismus oft tiefe Spuren hinterlässt. Für mich bedeutet nachhaltiges Reisen: Orte bewusst erleben, lokale Kulturen respektieren und den eigenen Fußabdruck minimieren. Jede Reise erweitert meinen Horizont, lehrt mich Achtsamkeit und schenkt mir authentische Begegnungen, die mich prägen. Nachhaltiger Tourismus ist kein Verzicht – er ist eine bereichernde Erfahrung, die unser Leben und unsere Welt positiv verändert. Probier es aus und erlebe selbst, wie erfüllend bewusstes Reisen sein kann!

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