Kulinarisch Wandern im Bregenzerwald: Von Almstufe zu Almstufe genießen

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Stell dir vor: Du gehst los, der Morgennebel hängt noch zwischen den Tannen, und weißt schon jetzt, dass dein Frühstück auf einer Alpsennerei wartet. Dann kommen die Höhenmeter, das Panorama — und irgendwo oben, auf der nächsten Almstufe, das Mittagessen. So funktioniert Kulinarisch Wandern im Bregenzerwald. Keine Lunchbox, kein Energieriegel — stattdessen echte Bregenzerwälder Küche an sieben verschiedenen Routen, von April bis Oktober.

- Nachhaltiger Tourismus Österreich

Was steckt hinter dem Konzept?

Kulinarisch Wandern im Bregenzerwald ist kein Marketing-Slogan, sondern ein konkretes Paket: Du kaufst ein Ticket, das dir den Bergbahn- oder Busaufstieg ermöglicht, und dazu Gutscheine für drei Mahlzeiten in lokalen Berggasthäusern und Restaurants entlang der Route. Das Wandern selbst verbindet die Einkehrstationen — Frühstück, Mittagessen, Dessert — und die Wege dazwischen sind von der Tourismusregion markiert und beschrieben.

Was das Ganze nachhaltig macht: Du bewegst dich im Tempo der Landschaft, isst regional, und dein Weg führt durch Kulturlandschaften, die nur deshalb so aussehen wie sie aussehen, weil Bregenzerwälder Bauernfamilien sie seit Generationen bewirtschaften.

Schritt für Schritt von Gang zu Gang

Der Bregenzerwald hat eine Besonderheit, die in anderen Alpenregionen so nicht existiert: die dreistufige Almwirtschaft. Talbetrieb im Winter, Vorsäß (Mittelalpe) im Frühling und Herbst, Hochalpe im Sommer. Diese Bewegung der Tiere zwischen den Höhenstufen ist keine Folklore — sie ist der Grund, warum die Wiesen blühen, der Käse schmeckt wie er schmeckt, und die Landschaft offen geblieben ist, statt zuzuwachsen.

Wenn du kulinarisch wanderst, gehst du durch diese Landschaft. Du siehst die Vorsäße — die charakteristischen kleinen Sennereien auf mittlerer Höhe — und kommst an Berggasthäusern vorbei, die ihre Zutaten direkt von den umliegenden Höfen beziehen. Das ist keine Marketingerzählung; der durchschnittliche Bregenzerwälder Milchwirtschaftsbetrieb hat etwa zwölf Kühe. Die Versorgungsketten sind kurz, weil sie kurz sein müssen.

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Tradition auf dem Teller: Die Bregenzerwälder Almwirtschaft

Der Bregenzerwald hat etwa 32.000 Einwohnerinnen und Einwohner — und ungefähr genauso viele Kühe. Das Verhältnis sagt viel aus. Milch ist das Rückgrat der regionalen Wirtschaft, und aus ihr entsteht das bekannteste Bregenzerwälder Produkt: der Käse. Alpkäse, Bergkäse, Sura Kees und weitere Sorten, die die Infrastruktur der KäseStrasse Bregenzerwald zusammenhält — einem regionalen Netzwerk aus Sennereien, Gasthäusern und Direktvermarktern.

Wenn du beim Kulinarisch Wandern Käse auf dem Teller hast, ist der Weg vom Tier zum Tisch oft kürzer als der Weg von der letzten Almstufe zur nächsten.


Die 7 Routen im Überblick

Sieben Routen stehen zur Auswahl, verteilt über den ganzen Bregenzerwald. Jede hat ihren eigenen Charakter — andere Höhenmeter, andere Landschaft, anderes Preisniveau. Alle Pakete beinhalten eine Wanderbroschüre mit Routenbeschreibung, Gutscheine für Frühstück, Mittagessen und Dessert sowie ein Bergbahn- oder Busticket für den Auf- oder Abstieg.

Einsteiger-Route: Bezau–Niedere (ab €46)

Die günstigste Route eignet sich gut für einen ersten Einstieg. Bezau ist einer der Hauptorte des Bregenzerwaldes, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die Route führt zur Niederen, einem aussichtsreichen Grat mit Panoramablick über das Tal. Bergbahn- und Busticket inklusive machen den Ausflug komplett ohne Auto möglich.

Panorama-Klassiker: Mellau–Kanisfluh (ab €59)

Die Kanisfluh ist der markanteste Berg des Bregenzerwaldes — ein langer, flacher Grat, den man aus fast jedem Tal sieht. Die Route ab Mellau führt auf gut markierten Wegen zwischen Bergstation und Alpe Kanis. Das Paket kostet ab €59 und enthält die Berg- und Talfahrt mit der Seilbahn.

Ein Hinweis zur Ehrlichkeit: Die Kanisfluh verlangt Trittsicherheit auf einigen Abschnitten. Wer lieber flacher unterwegs ist, greift besser zur Bezau- oder Lingenau-Variante.

Geheimtipp für Kenner: Au–Schoppernau (€55)

Das hintere Bregenzerwald-Tal ist weniger bekannt als Damüls oder Warth, aber genau das macht es interessant. Au und Schoppernau sind Orte, in denen noch echtes Wälderleben stattfindet. Die Route führt durch Vorsäße und an Almhütten vorbei, das Ticket enthält die Busfahrt zwischen den beiden Orten. Mit €55 liegt das Paket im mittleren Preissegment.

Weiteres Preis-Leistungs-Gefälle im Vergleich

Die teuerste Route ist Warth–Schröcken (ab €65). Warth hat in den letzten Jahren einen Aufschwung als Ganzjahresdestination erlebt und ist Teil des großen Skiraums Arlberg. Die Bergbahntickets sind entsprechend. Die Route ist landschaftlich außergewöhnlich — Warth liegt auf über 1.400 Metern und bietet Weitblicke, die andere Routen nicht haben. Wer das Budget hat: lohnenswert.

Günstiger und ebenfalls empfehlenswert: Schwarzenberg–Brüggelekopf (€58) mit Busticket, und Lingenau–Hittisau (€56) für eine entspanntere Etappe entlang des Wasserwanderwegs.

Alle Routen-Pakete gibt es online unter bregenzerwald.at, bei Bregenzerwald Tourismus direkt und bei ausgewählten Tourismusbüros in der Region.


Anreise ohne Auto: Die Gäste-Card macht’s einfacher

Wer drei oder mehr Nächte in einer der 27 Partnergemeinden des Bregenzerwaldes verbringt, bekommt die Gäste-Card Bregenzerwald & Großes Walsertal kostenlos vom Gastgeber ausgehändigt. Sie gilt vom Anreisetag bis zur Abreise — zwischen 1. Mai und 31. Oktober 2026.

Was ist in der Gäste-Card enthalten?

Die Gäste-Card beinhaltet die Nutzung von Bergbahnen in der Region, umweltfreundliche Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Zutritt zu Freibädern. Das bedeutet: Wenn du drei Nächte buchst, hast du für die Dauer deines Aufenthalts freie Bergbahnfahrten — und das Wanderbus-Ticket für einzelne Kulinarisch-Wandern-Routen kann da bereits teilweise abgedeckt sein. Wichtig ist, das im Vorfeld mit den Veranstaltern zu klären.

Bus & Bahn statt Stau

Der Bregenzerwald ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Von Bregenz aus fahren Busse regelmäßig ins Tal. Für die Anreise nach Vorarlberg selbst empfiehlt sich der Zug bis Bregenz oder Dornbirn — von dort geht’s mit Bus weiter in den Wald.

Nicht jede Route liegt gleich gut an der Buslinie. Für Warth und Schröcken ist die Anreise mit öffentlichen Mitteln aufwendiger als für Bezau oder Mellau. Das ist ein ehrlicher Hinweis: Wer kein Auto hat und Warth anpeilt, sollte die Verbindungen vorher prüfen.


Regionale Küche: Was erwartet dich auf dem Teller?

Die Gutscheine sind keine Voucher für ein Standardmenü. Du bekommst Mahlzeiten in lokalen Berggasthäusern und Wirtshäusern — jedes Lokal kocht mit regionalen Zutaten nach eigenem Konzept. Was du sicher findest:

Alpkäse und mehr: Die KäseStrasse Bregenzerwald

Die KäseStrasse ist ein regionales Netzwerk, das Direktvermarkter, Sennereien, Restaurants und Gasthäuser im Bregenzerwald verbindet. Mitglieder verpflichten sich zu regionaler Herkunft ihrer Milchprodukte. Wenn ein Lokal an der KäseStrasse beteiligt ist, weißt du, dass der Käse auf deinem Teller nicht aus dem Großhandel stammt.

Der Bregenzerwald hat zudem mehrere Michelin-empfohlene Restaurants — was zeigt, dass hier Küchentradition und handwerkliche Qualität zusammentreffen. Beim Kulinarisch Wandern bist du nicht zwingend in diesen Spitzenrestaurants, aber in Lokalen, die dieselbe regionale Grundhaltung teilen.

Typische Bregenzerwälder Spezialitäten

Was du auf dem Teller erwarten kannst: Bergkäse, Alpkäse, Sura Kees (ein charakteristischer Magerkäse mit leicht säuerlichem Ton), Käsespätzle, Vorarlberger Käsesuppe, und als Jause dazwischen: Brot mit Butter und Käse vom Hof. Desserts variieren je nach Betrieb — Milchreis, Topfenknödel oder frischer Kuchen sind typisch.

Ein ehrlicher Hinweis: Die Gutscheine decken einen definierten Betrag ab. Wer viel trinkt oder teure Extras bestellt, zahlt die Differenz selbst. Das ist fair, aber sollte vorher klar sein.


Ehrliche Einschätzung: Für wen eignet sich das Kulinarisch Wandern?

Das Konzept ist ideal für Menschen, die Wandern nicht als reinen Konditionstest sehen, sondern als Rahmen für Entschleunigung und Genuss. Die Routen sind kein Hochalpingelände — aber auch keine Spazierwege. Mittlere Fitness ist Voraussetzung, Bergschuhe empfehlenswert.

Was überzeugt:

  • Regionale Küche mit belegbar kurzen Lieferwegen
  • Transport via Bus/Bergbahn meistens inklusive — kein Auto nötig
  • Sieben Routen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad und Preis
  • Kulturlandschaft, die man aktiv erlebt statt nur betrachtet

Was man wissen sollte:

  • Kein Biozertifikat der Betriebe explizit ausgewiesen — regionale Herkunft ist das Hauptversprechen
  • Die teuerste Route (Warth, ab €65) ist für Tagesausflüge ein spürbarer Kostenpunkt
  • Routen-Beschreibungen sind derzeit nur auf Deutsch
  • Bei schwachem Wetter kann die Kulinarik-Seite überzeugen — die Panorama-Erfahrung ist dann eingeschränkt

Die kostenlose Alternative: Du kannst im Bregenzerwald auch ohne Paket kulinarisch wandern, indem du gezielt Gasthäuser an Wanderwegen ansteuerst. Das ist günstiger, aber weniger strukturiert, und das Busticket ist dann nicht inklusive.


FAQ: Kulinarisch Wandern Bregenzerwald

Wann findet Kulinarisch Wandern statt?

Die Saison läuft von Frühsommer bis Herbst, in der Regel Mai bis Oktober 2026. Die genauen Öffnungszeiten der einzelnen Bergbahnen und Gasthäuser variieren — es empfiehlt sich, direkt auf bregenzerwald.at zu prüfen oder beim Tourismusbüro nachzufragen.

Muss ich das Paket vorab buchen?

Ja, Gutscheine sind online, bei Bregenzerwald Tourismus und bei ausgewählten Tourismusbüros erhältlich. Eine Vorabreservierung ist empfehlenswert, besonders an Wochenenden im Hochsommer.

Ist Kulinarisch Wandern für Familien mit Kindern geeignet?

Grundsätzlich ja — einige Routen wie Bezau–Niedere oder Lingenau–Hittisau sind gemäßigter. Die Kanisfluh-Route ist für kleinere Kinder weniger geeignet. Im Zweifelsfall direkt bei Bregenzerwald Tourismus nach kinderfreundlichen Varianten fragen.

Was passiert bei schlechtem Wetter?

Die Gutscheine sind in der Regel nicht wettergebunden. Bregenzerwald Tourismus bietet zudem ein Allwetterprogramm für Regentage an. Bei starkem Unwetter entscheiden die Bergbahnen über Betrieb.

Ist das Paket auch ohne Auto buchbar?

Ja — die Bahn- und Bustickets sind im Paket enthalten. Für die Anreise nach Vorarlberg empfiehlt sich der Zug nach Bregenz oder Dornbirn, von dort weiter per Bus. Für Routen wie Bezau oder Lingenau ist das problemlos möglich. Für Warth–Schröcken ist die Anreise per ÖV aufwendiger und erfordert frühe Verbindungen.

Was kostet Kulinarisch Wandern im Überblick?

Die Pakete beginnen bei €46 (Bezau–Niedere) und reichen bis €65 (Warth–Schröcken), jeweils inklusive Bergbahn/Bus-Ticket und Gutscheinen für drei Mahlzeiten. Mit der Gäste-Card (gratis ab 3 Nächten) können Bergbahnfahrten bereits abgedeckt sein — das vorab klären.


Fazit: Genuss mit Bodenhaftung

Kulinarisch Wandern im Bregenzerwald macht sichtbar, was nachhaltiger Tourismus im besten Fall bedeutet: Du erlebst die Region über ihre Landwirtschaft, bewegst dich ohne Auto durch die Natur, und das Geld fließt direkt in lokale Betriebe. Kein perfektes Konzept — kein Biozertifikat, manche Routen schwerer per ÖV erreichbar als andere — aber ein ehrliches.

Wenn du im Sommer 2026 nach Vorarlberg willst und sowohl Berge als auch Genuss auf deiner Liste stehen: Schau dir die sieben Routen auf bregenzerwald.at an, wähle nach Fitness und Budget, und buch die Gutscheine rechtzeitig.

→ Alle Routen und Buchungsmöglichkeiten: bregenzerwald.at/kulinarisch-wandern
→ Mehr zu nachhaltigen Unterkünften in Vorarlberg: /urlaubsregionen/vorarlberg/bregenzerwald/


Quellen:
Bregenzerwald Tourismus GmbH: Kulinarisch Wandern — Routenpakete & Preise, Stand Juni 2026 (bregenzerwald.at/kulinarisch-wandern)
Bregenzerwald Tourismus GmbH: Gäste-Card Bregenzerwald & Großes Walsertal — Leistungsübersicht Saison 2026 (bregenzerwald.at/aktivitaet/gaeste-card)
KäseStrasse Bregenzerwald: Über die KäseStrasse (kaesestrasse.at)
Bregenzerwald Tourismus GmbH: Der Bregenzerwald — Land und Leute (bregenzerwald.at)
Werkraum Bregenzerwald: Über uns — Handwerk und Gestaltungskultur (werkraum.at)

Philipp Walz
Philipp Walz

Ich bin Philipp und brenne für nachhaltiges Reisen. Die Idee zu nachhaltigertourismus.at entwickelte ich während meines Masterstudiums in Green Marketing an der FH Wiener Neustadt – aus der Erkenntnis heraus, dass herkömmlicher Tourismus oft tiefe Spuren hinterlässt. Für mich bedeutet nachhaltiges Reisen: Orte bewusst erleben, lokale Kulturen respektieren und den eigenen Fußabdruck minimieren. Jede Reise erweitert meinen Horizont, lehrt mich Achtsamkeit und schenkt mir authentische Begegnungen, die mich prägen. Nachhaltiger Tourismus ist kein Verzicht – er ist eine bereichernde Erfahrung, die unser Leben und unsere Welt positiv verändert. Probier es aus und erlebe selbst, wie erfüllend bewusstes Reisen sein kann!

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