Alm-Sommer in Vorarlberg: Wie Käse & Co. die Alpen-Kulturlandschaft erhalten

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Vergangenen Montag ist die Vorarlberger Landesregierung selbst auf die Alm gestiegen. Von Dornbirn-Ebnit über die Alpen Fluhereck, Schöner Mann, Hinterberg, Schuttannen und Staufen bis zur Karren-Bergstation – die traditionelle Alpexkursion führte Landeshauptmann Markus Wallner und Landesrat Christian Gantner direkt zu jenen Menschen, die dafür sorgen, dass die Berge so aussehen, wie du sie aus dem Urlaub kennst. Der Anlass, kurz zu innehalten: Über 500 bewirtschaftete Almen gibt es allein in Vorarlberg, rund 40.000 Tiere verbringen dort den Sommer, mehr als 1.000 Älplerinnen und Älpler sorgen dafür, dass daraus etwas Genießbares wird.

Alpexkursion der Vorarlberger Landesregierung – © Land Vorarlberg7PRO.TV 2026

Für dich als Reisenden ist das mehr als eine Randnotiz. Was du auf einer Bergwanderung als „unberührte Natur“ wahrnimmst, ist in Wahrheit das Ergebnis harter, saisonaler Arbeit – und ein Teil davon landet, wenn du es richtig anstellst, direkt auf deinem Teller.

Was du siehst, ist Arbeit

Offene Almwiesen, freie Sicht auf Gipfel, gepflegte Wanderwege: Diese Landschaftsbilder sind kein Zufall der Natur, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Beweidung und Mahd. Ohne Bewirtschaftung würden die meisten Almflächen innerhalb weniger Jahrzehnte verbuschen und bewalden – der Effekt lässt sich in Teilen Oberösterreichs bereits beobachten, wo Almflächen zunehmend zuwachsen, weil weniger Tiere weiden und der Klimawandel das Baumwachstum beschleunigt.

Die Kulturlandschaft, die Alpentourismus überhaupt erst attraktiv macht, ist also eine Dauerleistung. Sie wirkt zudem doppelt: Weideflächen, die im Sommer offengehalten werden, dienen im Winter als Pisten – wo Kühe im Sommer grasen, braucht es später weniger künstliche Beschneiung. Gepflegte Almhänge speichern außerdem Wasser besser und mindern Lawinen- und Murengefahr, weil dichter, kurzer Bewuchs den Untergrund stabilisiert.

Kurz gesagt: Die Alm ist kein Kulissenbau für Postkarten. Sie ist Landschaftspflege, Lebensmittelproduktion und Naturschutz in einem – finanziert nicht durch Eintrittsgelder, sondern durch die tägliche Arbeit von Menschen, die dafür zunehmend schwerer zu finden sind (dazu gleich mehr).

Vom Gras zum Genuss: Was auf der Alm entsteht

Das sichtbarste Ergebnis der Alpwirtschaft ist Käse – und in Vorarlberg ist das keine beliebige Spezialität, sondern ein geschütztes Kulturgut. Vorarlberger Alpkäse und Vorarlberger Bergkäse tragen seit 1997 die EU-weit geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.). Das bedeutet: Herkunft, Herstellung und Reifung sind exakt geregelt, jede Fälschung wäre rechtlich angreifbar.

Was das konkret heißt:

  • Silofreie Fütterung ist Pflicht. Die Kühe fressen im Sommer frisches Gras auf der Alp, im Winter Heu – keine Gärfuttermittel. Betriebe, die auch nur teilweise Silage füttern, dürfen ihre Milch nicht an die Sennerei liefern.
  • Alpkäse entsteht ausschließlich im Sommer, direkt auf der Alm, aus der Milch der dort weidenden Kühe – reift auf Fichtenbrettern, oft über Monate.
  • Bergkäse wird das ganze Jahr in Talsennereien aus Alp- oder Tal-Rohmilch gefertigt.

Der Bregenzerwald gilt dabei als die größte noch zusammenhängende silofreie Region Europas – nur rund 3 % der europäischen Milch wird heute überhaupt noch so silofrei erzeugt. Entlang der KäseStrasse Bregenzerwald haben sich 90 Alpsennereien und 17 Talsennereien zusammengeschlossen, die gemeinsam mehr als 40 verschiedene Käsesorten herstellen.

So erlebst du es selbst

Der große Vorteil für dich als Gast: Diese Wertschöpfungskette ist nicht abgeschottet, sondern zum Anfassen gedacht.

  • Sennerei-Führungen. Zahlreiche Betriebe entlang der KäseStrasse Bregenzerwald bieten ein- bis eineinhalbstündige Führungen an – von der angelieferten Milch bis zum fertigen Laib, oft inklusive Verkostung. Viele sind kostenlos oder verlangen nur einen kleinen Beitrag pro Person.
  • Alm-Einkehr. Bewirtschaftete Almhütten servieren Jause direkt aus der eigenen Produktion – ehrlicher geht Regionalität kaum.
  • Direktkauf ab Hof. Sennereiläden verkaufen Käse dort, wo er entsteht. Ein Preis, der spürbar in der Region bleibt statt im Zentrallager eines Supermarkts zu verschwinden.
  • Die 1. Bregenzerwälder Sennschule. Für alle, die selbst Hand anlegen wollen: Hier kannst du deinen eigenen Käse herstellen, statt ihm nur zuzusehen.

Bundesland-Guide „Nachhaltig reisen in Vorarlberg

Ehrlich gesagt: Die Alpwirtschaft steht unter Druck

Hier wird es unbequem – und genau deshalb gehört es in diesen Artikel. Zwischen 2000 und 2023 ist die Zahl der bewirtschafteten Almen in Österreich laut Grünem Bericht um 12 % zurückgegangen. Die Gründe sind vielfältig:

  • Strukturwandel und Hofnachfolge. Almarbeit ist saisonal, körperlich hart und schlecht planbar. Immer weniger junge Menschen wollen oder können den Sommer auf 1.500 Höhenmetern verbringen.
  • Klimawandel. Die Vegetationsperiode beginnt in manchen Lagen bereits bis zu drei Wochen früher, Extremwetter und Trockenperioden setzen den Weideflächen zusätzlich zu.
  • Konflikte mit dem Tourismus selbst. Steigende Besucherzahlen bedeuten mehr Begegnungen mit Weidevieh, mehr Hunde in Kuhherden, mehr Müll, mehr Missverständnisse über landwirtschaftliche Abläufe.

Bei der Alpexkursion wurde auch das Wolfsmanagement angesprochen – ein Thema, das Almbewirtschaftende und Naturschutz in Österreich seit Jahren beschäftigt und das wir hier bewusst nicht bewerten, weil es politisch kontrovers verhandelt wird. Für dich als Wanderer relevant ist vor allem die praktische Konsequenz: Auf manchen Almen sind heute Herdenschutzhunde im Einsatz. Sie gehören zur Herde, nicht zu dir – auf Abstand halten und den eigenen Hund konsequent anleinen ist die richtige Reaktion, keine Bedrohung.

Was das für deinen Besuch bedeutet: Wenn du durch eine bewirtschaftete Alm wanderst, gehst du durch einen Arbeitsplatz, keinen Streichelzoo. Zäune nach dem Durchgehen wieder schließen, Hunde an der Leine, Abstand zu Kälbern halten, keinen Müll hinterlassen. Kleinigkeiten – aber genau diese Kleinigkeiten entscheiden mit, ob eine Alm auch in zehn Jahren noch bewirtschaftet wird.

Deine konkrete, bessere Entscheidung

Du musst dafür keinen Umweg fahren oder auf Komfort verzichten. Nachhaltiger reisen heißt hier schlicht: bewusster einkaufen.

  • Kauf Käse direkt bei der Sennerei oder im Sennereiladen statt im Supermarkt-Kühlregal – gleicher Genuss, spürbar höhere regionale Wertschöpfung.
  • Achte auf das g.U.-Siegel, wenn du „Vorarlberger Alpkäse“ oder „Vorarlberger Bergkäse“ kaufst – es ist die verlässlichste Garantie für echte Herkunft.
  • Buche eine Führung statt nur vorbeizufahren. Der kleine Verkostungsbeitrag fließt direkt an die Betriebe, die die Landschaft pflegen.
  • Kehr auf einer bewirtschafteten Alm ein, statt nur das Panoramafoto zu machen.

Regions-Guide: „Nachhaltiger Urlaub im Bregenzerwald

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Quellen:

  • Land Vorarlberg, Landeskommunikation: Medieninformation „Alpwirtschaft prägt die Identität Vorarlbergs „, 14.07.2026
  • Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft: Spezifikationen Vorarlberger Alpkäse g.U. und Vorarlberger Bergkäse g.U.
  • KäseStrasse Bregenzerwald (kaesestrasse.at)
  • Land schafft Leben: „Almwirtschaft in Österreich: Chancen und Herausforderungen“
  • Grüner Bericht 2024 (zitiert via BAB-Forschungsprojekt zur Entwicklung der Almwirtschaft)

Philipp Walz
Philipp Walz

Ich bin Philipp und brenne für nachhaltiges Reisen. Die Idee zu nachhaltigertourismus.at entwickelte ich während meines Masterstudiums in Green Marketing an der FH Wiener Neustadt – aus der Erkenntnis heraus, dass herkömmlicher Tourismus oft tiefe Spuren hinterlässt. Für mich bedeutet nachhaltiges Reisen: Orte bewusst erleben, lokale Kulturen respektieren und den eigenen Fußabdruck minimieren. Jede Reise erweitert meinen Horizont, lehrt mich Achtsamkeit und schenkt mir authentische Begegnungen, die mich prägen. Nachhaltiger Tourismus ist kein Verzicht – er ist eine bereichernde Erfahrung, die unser Leben und unsere Welt positiv verändert. Probier es aus und erlebe selbst, wie erfüllend bewusstes Reisen sein kann!

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