Gravelbike am Bodensee-Vorarlberg: Der neue Guide für nachhaltiges Radfahren zwischen See und Alpen

Schotter, Seewind, Voralpen — und ein Ticket, das dich überall hinbringt, ohne einmal ins Auto zu steigen. Die Region Bodensee-Vorarlberg hat für Sommer 2026 einen neuen Gravelbike-Touren-Guide veröffentlicht. Was drin ist, wie du die Gästekarte clever nutzt und warum das Gebiet zwischen Bodensee und ersten Alpenrücken für Gravelbike-Fahrerinnen und -Fahrer zu einem der interessantesten Sommerziele in Österreich wird.

Warum Gravelbike und Bodensee-Vorarlberg zusammenpassen

Gravelbike — das breifbereifige Rad für gemischte Untergründe — braucht genau das, was Bodensee-Vorarlberg bietet: Teer, der in Schotter übergeht, Feldwege, die wieder auf Teer treffen, flache Uferstrecken, die sich mit welligen Hügelpassagen abwechseln. Das Rheintal, der Bodensee-Uferstreifen und die ersten Ausläufer des Bregenzerwalds bilden ein Terrain, das weder Rennrad-Highway noch anspruchsvolles Mountainbike-Gelände ist — sondern genau dazwischen.

Der neue Gravelbike-Guide 2026 der Region kartiert erstmals Strecken, die explizit für breifbereifte Räder gedacht sind. Keine Umwidmung von Mountainbike-Trails, keine abgenutzten Touristenpfade — sondern neu gedachte Routen, die Seeufer, Rheintalfläche und Voralpenausläufer verbinden.

- Nachhaltiger Tourismus Österreich

Was ein Gravelbike hier bringt

Im Vergleich zum Rennrad: mehr Optionen. Schotterpassagen im Rheindelta, Naturwege entlang der Bregenzeraue, Forststraßen im Bodensee-Hinterland — das alles ist mit 35–40mm Reifenbreite entspannt fahrbar. Im Vergleich zum Mountainbike: weniger Aufwand, mehr Tempo auf langen Flachstücken und Teerpassagen.

Für Menschen, die lange Tagestouren (60–100 km) fahren und dabei zwischen Natur und Infrastruktur wechseln, ist Gravelbike das sinnvollste Format für diese Region.

Die Regionen und was sie bieten

Bodensee-Ufer: Vom Rheinmündung bis Bregenz

Das westliche Ufer des Bodensees auf Vorarlberger Seite ist flach, weitgehend autoarm und hat mehrere ausgebaute Radwege. Das klingt unspektakulärer als es ist: Die Rheinmündung (Hard) ist ein Natura-2000-Schutzgebiet mit einer der interessantesten Feuchtlandschaften Vorarlbergs. Reiher, Kormorane, Eisvögel — im Frühsommer ist das Rheinvorland einer der ruhigsten Naturräume der Region.

Route Tipp: Bregenz → Hard (Rheinmündung, 8 km) → entlang des Rheins südwärts durch die Bregenzeraue → Schotter-Option Richtung Lustenau → Rückfahrt per Bus oder S-Bahn nach Bregenz. Gut 45–55 km, überwiegend flach, mit Schotter-Einlage im Auenbereich.

Einschränkung: Das Rheinvorland-Schutzgebiet hat Wegegebote — Abseitsfahren ist verboten und ökologisch schädlich. Das gilt konsequent, auch wenn die Versuchung groß ist.

Vorarlberger Rheintal: Zwischen Schotterwegen und Feldpfaden

Das Rheintal ist die urbane Achse Vorarlbergs — dicht besiedelt, aber mit überraschend vielen Schotterwegen und Feldpfaden zwischen den Dörfern. Wer die Hauptstraßen meidet (Gravelbike macht das einfach), entdeckt eine andere Region: Obstgärten, kleine Höfe, direkte Blicke auf den Alpenkamm.

Besonders interessant für Gravelbike: die Verbindungen zwischen den Vorarlberger Siedlungen auf Nebenwegen — Lustenau, Dornbirn, Rankweil, Feldkirch. Keine Highlights im klassischen Sinn, aber ein Netz von Wegen, das sich stundenlang ohne Wiederholung fahren lässt.

Vorderwald und Bregenzerwald-Ausläufer: Wo es hügeliger wird

Ab Dornbirn beginnt das Gelände zu steigen. Der Vorderwald — das Hügelland zwischen Rheintal und Bregenzerwald — ist per Gravelbike ideal erschlossen: Forststraßen, die kurze Anstiege mit schönen Ausblicken kombinieren, Schotterwege, die in Wiesenlandschaft münden. Das ist kein Alpin-Terrain, aber auch kein flacher Radweg — für Personen, die etwas Höhenmeter schätzen, ohne Klettersteig-Kaliber zu brauchen.

Route Tipp: Dornbirn Bahnhof → Gütle (Naturschutzgebiet Rappenloch/Alploch) → Forststraße Richtung Ebnit → Abstieg Bolgenach → Rückfahrt Bus/Bahn ab Hittisau. Rund 55 km, 800 Hm, anspruchsvoller aber gut machbar auf Gravelbike.

Die vor.you Sommerkarte 2026: Was neu ist

Für Sommer 2026 hat die Region Bodensee-Vorarlberg die vor.you Sommerkarte neu aufgelegt — eine Erweiterung der bisherigen Gästekarte. Was drin ist:

Die Gästekarte (ab der ersten Übernachtung in einem teilnehmenden Betrieb) deckt Bus und Bahn in ganz Vorarlberg ab — nicht nur in der Bodensee-Region, sondern landesweit. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Gäste-Card Bregenzerwald, die auf die Region begrenzt ist. Mit der Vorarlberger Gästekarte kommst du von Bregenz bis Bludenz, ins Bregenzerwald und ins Montafon — alles ohne Extra-Ticket.

Die vor.you Sommerkarte ergänzt das um Eintritt in Freibäder, ausgewählte Erlebnisangebote und rabattierte Bergbahn-Tickets. Das konkrete Angebot variiert je nach Unterkunft und Saison — beim Buchen nachfragen, was die jeweilige Unterkunft beinhaltet.

Für Gravelbike-Urlauber konkret hilfreich

Die landesweite Gültigkeit der Gästekarte bedeutet: Du fährst eine lange Tagestour von Bregenz aus, entscheidest spontan, dass du lieber in Feldkirch endest statt zurückzufahren — und nimmst einfach die Bahn zurück. Keine Zusatzkosten, keine Planung nötig. Das macht Einwegstrecken (Highlight für Gravelbike) deutlich entspannter.

Tipp: Die S-Bahn Vorarlberg verbindet das Rheintal dicht getaktet. Im Sommer fahren einige Züge mit Fahrradabteilen — Vorabcheck empfehlenswert, besonders für Wochenenden.

Anreise ohne Auto: Wie es funktioniert

Bregenz ist der natürliche Ausgangspunkt. Ab München: Zug via Lindau, ca. 1,5–2 Stunden. Ab Zürich: via Feldkirch oder direkt, ca. 1,5 Stunden. Ab Wien: ÖBB Railjet*, ca. 8 Stunden.

Das Fahrrad — und das ist entscheidend — kann auf den meisten ÖBB-Verbindungen mitgenommen werden. Es kostet eine Fahrradkarte zusätzlich (ca. 10–15 Euro/Strecke), und die Plätze sind begrenzt. Frühbuchen ist Pflicht, besonders in der Hauptsaison.

Alternative: Fahrrad-Verleih in Bregenz. Mehrere Stationen in der Stadt vermieten Gravelbikes und E-Bikes tageweise oder wochenweise. Das spart das Reise-Handling des eigenen Rades.

Was nicht funktioniert

Ehrlich gesagt: Bregenz ist eine Stadt mit Durchgangsverkehr — die Radinfrastruktur im Stadtgebiet ist ausbaubar. Die ersten Kilometer aus der Stadt heraus (Richtung Rheinmündung oder Rheintal-Süd) laufen teils auf Straßen mit Autoverkehr. Das ist kein Showstopper, aber kein Schweizer Velonetz. Wer sanften Einstieg sucht, fährt mit dem Zug eine Station weiter nach Hard oder Lustenau und startet dort.

Nachhaltigkeit der Region: Was dokumentiert ist

Die Region Bodensee-Vorarlberg hat kein eigenes Umweltzeichen auf Destinationsebene. Einzelne Betriebe tragen das Österreichische Umweltzeichen — suchbar über umweltzeichen.at.

Was strukturell für Nachhaltigkeit spricht: die landesweite Gästekarte mit Öffi-Integration, die Natura-2000-Schutzgebiete im Rheinvorland und die generell gute Öffi-Vernetzung Vorarlbergs (Vorarlberg hat pro Kopf eines der dichtesten Nahverkehrsnetze Österreichs).

Was noch fehlt: eine koordinierte Nachhaltigkeitsstrategie auf Destinationsebene mit messbaren Zielen, transparent berichtet. Die Region ist hier weniger weit als die Alpenregion Bludenz.

Unsere Einschätzung: Bodensee-Vorarlberg ist für nachhaltig-bewusstes Radfahren empfehlenswert — wegen der Öffi-Infrastruktur und der Gästekarte, nicht wegen Nachhaltigkeitszertifizierungen.

Für wen diese Destination passt — und für wen nicht

Passend für: Erfahrene Radfahrerinnen und Radfahrer, die gemischte Touren lieben und ein Rad dabei haben (oder leihen wollen). Personen, die Variabilität schätzen — heute Seeufer, morgen Voralpen-Schotter. Wer sich eine Woche lang täglich 50–80 km vorstellt ohne dasselbe zweimal zu fahren.

Weniger passend für: Familien mit kleinen Kindern (zu viel gemischter Untergrund, keine ausgewiesene Kinder-Infrastruktur). Personen, die ein „Radparadies“ im Sinne ausgebauter, beschilderter Touristenwege erwarten. Wer kein Gravelbike hat und keines leihen möchte — auf einem Trekkingrad sind die Schotter-Strecken machbar, aber anstrengender.

Drei Tages-Routen auf einen Blick

Route A: Bodensee-Süd (55 km, leicht–mittel)

Bregenz → Hard (Rheinmündung, Natura-2000) → Lustenau → Hohenems → Feldkirch (Altstadt) → Rückfahrt S-Bahn nach Bregenz. Überwiegend flach, gemischter Belag, Ende in einer der schönsten Altstädte Vorarlbergs.

Route B: Vorderwald-Schotter (65 km, mittel–anspruchsvoll)

Dornbirn Bahnhof → Gütle → Schotterpiste Vorderwald → Hittisau → Krumbach → Egg → Bus zurück nach Dornbirn. Rund 900 Hm, viel Schotter, ruhige Wege, Bregenzerwald-Einblick ohne ins Tal fahren zu müssen.

Route C: Rhein-Einweg (70 km, leicht)

Bregenz → entlang des Rheins südwärts bis Feldkirch → Bahn zurück (Gästekarte). Komplett flach, breiter Schotterweg entlang des Rheins, lässig für lange Tage mit Wind im Rücken (Nordwind Bodensee → Süd).

FAQ: Gravelbike Bodensee-Vorarlberg

Wo gibt es Gravelbike-Verleih in der Region? In Bregenz gibt es mehrere Fahrrad-Verleiher — Verfügbarkeit von Gravelbikes variiert, Voranmeldung dringend empfohlen. Für E-Gravelbikes ist Vorabbuche Pflicht, da die Nachfrage im Sommer hoch ist.

Wie gut ist die Beschilderung der neuen Gravelbike-Routen? Der neue Guide 2026 ist primär digital verfügbar (GPX-Tracks downloadbar über bodensee-vorarlberg.com). Physische Beschilderung auf allen Strecken ist noch nicht vollständig umgesetzt — GPS oder Offline-Karte empfehlenswert.

Gibt es Unterkünfte mit Fahrrad-Service (Werkzeug, Lagerung, Wäsche)? Ja — mehrere Betriebe in der Region sind als „Bett+Bike“-Unterkünfte ausgewiesen, was Trockenmöglichkeit, Werkzeug und sichere Lagerung einschließt. Beim Buchen nachfragen oder über bett-und-bike.de suchen.

Kann ich die Gästekarte auch für die Bahn nutzen, um Touren einzukürzen? Ja — das ist einer der größten Vorteile der Vorarlberger Gästekarte. Sie gilt in ganz Vorarlberg, also auch auf der S-Bahn zwischen Bregenz und Feldkirch. Spontanes Einsteigen wenn Wetter umschlägt oder Beine schlapp werden ist problemlos möglich.

Gibt es Einschränkungen im Rheinvorland-Schutzgebiet? Ja, das Rheinvorland ist ein Natura-2000-Gebiet. Radfahren ist auf ausgewiesenen Wegen erlaubt, abseits davon verboten — insbesondere während der Brutzeit (März bis Juli). Die neuen Gravelbike-Routen respektieren diese Grenzen.

Fazit: Bodensee-Vorarlberg ist mehr als Bodensee

Die Region hat jahrelang hauptsächlich Badeferien und Städtereisen nach Bregenz vermarktet. Mit dem neuen Gravelbike-Guide wird ein Terrain sichtbar, das schon immer da war: vielseitig, autoarm erschließbar, kombinierbar mit einer der besten Öffi-Infrastrukturen Österreichs.

Wer Gravelbike fährt und eine Woche sucht, die täglich Abwechslung bietet — Schotter, Asphalt, Seeufer, Voralpenausblick — und das alles ohne Auto: Das ist Bodensee-Vorarlberg im Sommer 2026.

Mehr Infos und GPX-Downloads: bodensee-vorarlberg.com

→ Weiterführendes: Nachhaltig Radfahren im BregenzerwaldAutofreier Urlaub in Vorarlberg


Quellenangaben:Bodensee-Vorarlberg Tourismus: bodensee-vorarlberg.com (Gravelbike-Guide 2026, vor.you Sommerkarte, Stand Juni 2026)Vorarlberger Verkehrsverbund VVV: vmobil.at (Gästekarte, Fahrplanauskünfte)Natura 2000 Österreich: umweltbundesamt.at (Rheinvorland-Schutzgebiet)ÖBB: oebb.at (Fahrradmitnahme, Zugverbindungen)


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Philipp Walz
Philipp Walz

Ich bin Philipp und brenne für nachhaltiges Reisen. Die Idee zu nachhaltigertourismus.at entwickelte ich während meines Masterstudiums in Green Marketing an der FH Wiener Neustadt – aus der Erkenntnis heraus, dass herkömmlicher Tourismus oft tiefe Spuren hinterlässt. Für mich bedeutet nachhaltiges Reisen: Orte bewusst erleben, lokale Kulturen respektieren und den eigenen Fußabdruck minimieren. Jede Reise erweitert meinen Horizont, lehrt mich Achtsamkeit und schenkt mir authentische Begegnungen, die mich prägen. Nachhaltiger Tourismus ist kein Verzicht – er ist eine bereichernde Erfahrung, die unser Leben und unsere Welt positiv verändert. Probier es aus und erlebe selbst, wie erfüllend bewusstes Reisen sein kann!

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