Kulinarisch Radfahren im Bregenzerwald: Vier Käsereien, zwei Almen, eine Tour

Schichtkäse aus der Dorfkäserei, Bergkräutertee von der Alm, frische Marille vom Bauernhof — und du erreichst alles auf dem Rad, ohne einmal ins Auto zu steigen. Der Bregenzerwald hat für Sommer 2026 das Angebot „Kulinarisch Radfahren“ neu ins Programm aufgenommen: Routen, die Kulinarik, Landschaft und sanfte Mobilität zu einem Erlebnis verbinden, das kaum jemand so konsequent umsetzt.

Was „Kulinarisch Radfahren“ im Bregenzerwald bedeutet

Der Bregenzerwald ist seit Jahren bekannt für seine kulinarische Identität. Die Region hat eine der dichtesten Käsereien-Landschaften Österreichs — in fast jedem Dorf gibt es eine Dorfkäserei, die noch heute nach traditionellen Methoden produziert. Genau das ist die Basis für die neuen Radrouten: Du fährst nicht nur durch die Landschaft, sondern hältst an, probierst, kaufst, sprichst mit den Produzentinnen.

Was sich von Wanderrouten unterscheidet

Die bisherigen „Kulinarisch Wandern“-Routen (sieben an der Zahl) sind für Fußgängerinnen und Fußgänger ausgelegt. Die neuen Radrouten decken größere Distanzen ab und erreichen Höfe und Käsereien, die zu Fuß nur schwer erreichbar wären. Gleichzeitig bleiben die Etappen moderat — das ist kein Sportprogramm, sondern ein Entdeckungsformat. Der Fokus liegt auf gemächlichem Fahren, langen Pausen, echten Begegnungen.

Welche Stationen typischerweise auf den Routen liegen

Die konkreten Routen variieren je nach Ausgangspunkt und Saison. Typische Stationen sind Dorfkäsereien wie jene in Egg, Andelsbuch oder Lingenau, Direktvermarkter für regionale Milchprodukte und Gemüse, Heurige und Almgasthäuser sowie gelegentliche Begegnungen mit Handwerksbetrieben der Region. Du erfährst vor Ort immer die aktuellen Öffnungszeiten — viele Käsereien haben nur begrenzte Besuchszeiten, was eher einlädt als abschreckt.

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Tipp: Plane die Tour so, dass du spätestens um 10 Uhr an der ersten Station bist. Frischer Bergkäse wird meist vormittags angeschnitten.

Die Gäste-Card Bregenzerwald: Was drin ist

Für die meisten Urlauberinnen und Urlauber, die mindestens drei Nächte im Bregenzerwald verbringen, ist die Gäste-Card inklusive. Die Karte gilt von 1. Mai bis 31. Oktober 2026 und enthält die freie Nutzung aller Bergbahnen in der Region, öffentliche Busse innerhalb des Bregenzerwalds, Freibäder und Hallenbäder sowie ausgewählte geführte Touren.

Warum das für Radfahrerinnen und Radfahrer besonders relevant ist

Mit der Gäste-Card kannst du eine Radtour als Einwegstrecke planen: Start im Tal, Bahn hinauf auf ein Plateau, Radfahren bergab mit kulinarischen Stopps, Rückfahrt per Bus. Das vermeidet die ermüdende Bergauffahrt — und macht das Format für Personen attraktiv, die keine Rennrad-Athleten sind, aber trotzdem die Freiheit des Fahrrads schätzen.

Ein Nachteil: Nicht alle Bergbahnen erlauben Fahrräder zu jeder Tageszeit, und die Fahrradmitnahme im Bus ist kapazitätsabhängig. Informiere dich vorher beim Gastgeberbetrieb oder direkt bei der Bregenzerwald Tourismus.

Anreise ohne Auto

Der Bregenzerwald ist per Bahn und Bus gut erreichbar. Ab Bregenz fährt der Landbus Bregenzerwald ins Tal — ein Fahrrad kannst du nach Verfügbarkeit mitnehmen. Wer mit der Bahn anreist (Wien–Bregenz in rund 8 Stunden mit ÖBB*), findet am Bahnhof Bregenz Möglichkeiten für Fahrradverleih oder kann ein E-Bike direkt bei der Unterkunft leihen.

Die Nachhaltigkeit des Bregenzerwalds: Was dahintersteckt

Der Bregenzerwald ist kein Greenwashing-Kandidat. Die Region hat über Jahrzehnte eine eigene Identität entwickelt, die Landwirtschaft, Handwerk und Tourismus miteinander verwebt.

Käsewirtschaft als ökologisches Fundament

Die Bregenzerwald-Käsereien verarbeiten ausschließlich Milch aus der Region. Die Kühe grasen auf Almen, die seit Jahrhunderten bewirtschaftet werden — das erhält die Kulturlandschaft, verhindert Verbuschung und schützt die Artenvielfalt der Bergwiesen. Das ist kein Marketingversprechen, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit: Ohne lokale Abnehmer wäre die Almwirtschaft nicht rentabel.

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Österreichisches Umweltzeichen in der Region

Mehrere Unterkünfte im Bregenzerwald tragen das Österreichische Umweltzeichen (Stufe A nach nationalen Zertifizierungsstandards). Das Label prüft unter anderem Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Abfallmanagement und regionale Beschaffung. Wer gezielt nach diesen Unterkünften sucht, findet sie über die offizielle Suche des Bundesministeriums für Klimaschutz unter umweltzeichen.at.

Was noch aussteht

Ehrlich gesagt: Eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit messbaren Zielen und jährlichem Bericht ist für den gesamten Bregenzerwald noch nicht öffentlich dokumentiert. Das unterscheidet die Region von der Alpenregion Bludenz, die ihren Jahresbericht 2024 transparent veröffentlicht. Im Bregenzerwald lebt Nachhaltigkeit bisher mehr durch gelebte Praxis als durch zertifizierte Prozesse — das ist gut, aber es gibt noch Luft nach oben.

Praktische Infos: So planst du die Radtour

Beste Reisezeit

Juni bis September — dann sind die Bergkäsereien auf den Almen in Betrieb, die Routen trocken und die Tage lang genug für ausgedehnte Touren. Avoid: Wochenenden in der Hauptsaison (Juli/August), wenn Busse und Bergbahnen voll sind.

Welches Fahrrad passt

Ein Trekkingrad oder E-Bike ist ideal. Die Wege sind größtenteils asphaltiert oder auf gut befestigten Kiesstraßen — ein Rennrad ist zu eng bereift, ein vollgefedertes Mountainbike zu aufwendig. E-Bikes empfehlen sich besonders für Personen, die die Strecken entspannt genießen wollen — der Bregenzerwald hat trotz aller Bemühungen nennenswerte Steigungen.

E-Bike-Verleih gibt es in mehreren Orten, unter anderem in Egg und Bezau. Preise bewegen sich je nach Modell zwischen 35 und 55 Euro pro Tag.

Wo übernachten

Für die Gäste-Card brauchst du mindestens drei Übernachtungen. Gut positionierte Ausgangspunkte für Radtouren sind Bezau (zentral, Bergbahn vorhanden), Egg (flacheres Terrain, viele Direktvermarkter in der Nähe) und Schwarzenberg (ruhiger, für Slow-Travel-Orientierte).

Kombinieren mit geführten Touren

Bregenzerwald Tourismus bietet geführte Kulinarik-Touren an — sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad. Das ist besonders empfehlenswert für den ersten Besuch, weil die Guides persönliche Kontakte zu den Produzentinnen haben und Türen öffnen, die für Einzelreisende geschlossen bleiben.

Drei konkrete Tages-Ideen

Tag 1: Käserei-Runde im mittleren Bregenzerwald (ca. 35 km)

Start in Bezau, Fahrt über Reuthe nach Andelsbuch mit Halt bei der dortigen Dorfkäserei. Weiter nach Egg — hier gibt es einen der ältesten Käsekeller der Region. Rückfahrt per Bus oder entspannte Talanfahrt. Dieser Tag ist auch für weniger trainierte Radlerinnen und Radler geeignet.

Tag 2: Alm und Direktvermarkter im Hinterbregenzerwald (ca. 45 km, anspruchsvoller)

Start in Egg, Fahrt über Hittisau ins Richtung Sibratsgfäll. Hier oben sind Höfsterlen kleiner, die Wege ruhiger, die Begegnungen echter. Rückfahrt per Bahn ab Hittisau (Gäste-Card inklusive).

Tag 3: Genuss-Tag mit Bergbahn-Start (ca. 25 km, E-Bike empfohlen)

Bergbahn ab Bezau auf die Baumgarten-Alpe. Von dort Abfahrt auf asphaltierter Straße mit Stopps an Almgasthäusern. Ankunft in Bizau — Käserei, kurze Rast, Weiterfahrt nach Mellau. Insgesamt wenig Anstrengung, viel Aussicht.

Für wen dieses Format passt — und für wen nicht

Passend für: Paare und Reisende ab 45, die Qualität über Quantität stellen. Wer gerne isst, gerne erzählt und sich für regionale Handwerkskultur interessiert. Wer ein E-Bike nicht als Betrug betrachtet, sondern als Werkzeug.

Weniger passend für: Sportliche Radfahrer, die Kilometer und Höhenmeter zählen. Familien mit kleinen Kindern (die Routen sind nicht kindgerecht ausgebaut). Reisende, die eine komplett durchgeplante Infrastruktur erwarten — im Bregenzerwald braucht man noch etwas Improvisationsgeist.

Nachhaltigkeits-Einordnung

Das Konzept „Kulinarisch Radfahren“ hat einen echten Nachhaltigkeitskern: kurze Wege, regionale Wertschöpfung, Förderung der Almwirtschaft, autofreie Mobilität durch Gäste-Card. Das ist kein aufgestülptes Greenwashing-Label, sondern das Ergebnis einer gewachsenen regionalen Identität.

Was fehlt: messbare Nachhaltigkeitsziele auf Destinationsebene, transparente Berichterstattung, ein klares Zertifizierungsprogramm für die Radrouten selbst. Wer höchste Zertifizierungsstandards sucht, ist im UNESCO Biosphärenpark Großes Walsertal besser aufgehoben (→ mehr dazu in unserem Artikel zum Großen Walsertal).

Unsere Einschätzung: Empfehlenswert — weil die Substanz stimmt, auch wenn die Dokumentation noch nachziehen muss.

FAQ: Kulinarisch Radfahren im Bregenzerwald

Brauche ich ein E-Bike für die Routen? Nein, aber es empfiehlt sich. Die Routen sind mit einem Trekkingrad machbar, aber der Bregenzerwald hat durchaus Steigungen. Ein E-Bike macht das Format entspannter und öffnet es für mehr Menschen. Verleih ist vor Ort möglich.

Ab wie vielen Nächten gilt die Gäste-Card? Die Gäste-Card Bregenzerwald gilt ab drei Übernachtungen bei einem teilnehmenden Betrieb (1. Mai bis 31. Oktober 2026). Nicht alle Unterkünfte sind automatisch dabei — beim Buchen nachfragen.

Kann ich die Routen auch ohne Voranmeldung fahren? Ja, die Routen sind selbst organisierbar. Karten und Beschreibungen gibt es bei Bregenzerwald Tourismus oder beim Gastgeberbetrieb. Geführte Touren müssen vorab gebucht werden.

Wie unterscheiden sich „Kulinarisch Radfahren“ und „Kulinarisch Wandern“? „Kulinarisch Wandern“ (sieben bestehende Routen) ist für Fußgänger ausgelegt, kürzere Distanzen, höhere Intensität in der Begegnung mit einzelnen Betrieben. „Kulinarisch Radfahren“ (neu 2026) verbindet mehr Stationen auf größeren Distanzen — geeignet für Personen, die einen ganzen Tag unterwegs sein möchten.

Gibt es vegetarische oder vegane Optionen bei den Stationen? Die Käsereien und Almgasthäuser sind auf Milchwirtschaft ausgerichtet — für Vegetarierinnen und Vegetarier ideal, für vegane Reisende schwieriger. Wer vegane Ernährung bevorzugt, sollte die Stationen vorab abklären.

Lohnt sich die Anreise mit dem Zug? Ja — und sie spart nebenbei CO₂. Ab Wien (ÖBB Railjet*, Umstieg Feldkirch oder direkt nach Bregenz) dauert die Reise rund 8 Stunden. Ab München sind es rund 2 Stunden. Das Fahrrad kann gegen Aufpreis mitgenommen werden.

Fazit: Ein Format, das reif ist für echte Entdecker

„Kulinarisch Radfahren“ im Bregenzerwald ist kein Trendbegriff, dem nichts folgt — es ist ein konsequent aufgebautes Angebot, das eine der stärksten kulinarischen Regionen Österreichs auf dem Rad erlebbar macht. Die Kombination aus Gäste-Card, Öffi-Anschluss und lebendiger Käsereien-Landschaft ist in dieser Dichte selten.

Wer die Tour plant: Bregenzerwald Tourismus unter bregenzerwald.at berät zu aktuellen Routen, Verleihstationen und Unterkünften mit Gäste-Card.

→ Du interessierst dich für mehr nachhaltige Genuss-Reisen in Vorarlberg? Lies unseren Guide zum Kulinarisch Wandern im Bregenzerwald und unsere Übersicht zu nachhaltigen Unterkünften in Vorarlberg.


Quellenangaben:Bregenzerwald Tourismus: bregenzerwald.at (Kulinarisch Radfahren, Gäste-Card, Stand Juni 2026)Österreichisches Umweltzeichen: umweltzeichen.at (Zertifizierungsdatenbank Unterkünfte)ÖBB: oebb.at (Zugverbindungen Wien–Bregenz, Fahrradmitnahme)Alpenkonvention: alpconv.org (Nachhaltige Entwicklung im Alpenraum)


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Philipp Walz
Philipp Walz

Ich bin Philipp und brenne für nachhaltiges Reisen. Die Idee zu nachhaltigertourismus.at entwickelte ich während meines Masterstudiums in Green Marketing an der FH Wiener Neustadt – aus der Erkenntnis heraus, dass herkömmlicher Tourismus oft tiefe Spuren hinterlässt. Für mich bedeutet nachhaltiges Reisen: Orte bewusst erleben, lokale Kulturen respektieren und den eigenen Fußabdruck minimieren. Jede Reise erweitert meinen Horizont, lehrt mich Achtsamkeit und schenkt mir authentische Begegnungen, die mich prägen. Nachhaltiger Tourismus ist kein Verzicht – er ist eine bereichernde Erfahrung, die unser Leben und unsere Welt positiv verändert. Probier es aus und erlebe selbst, wie erfüllend bewusstes Reisen sein kann!

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