Beste Reisezeit Österreich: Wann bewusstes Reisen am meisten bringt

Ende September in der Südsteiermark: Der Sturm steht frisch im Krug, die Weinberge färben sich golden, und im Buschenschank findet sich noch ein Tisch mit Aussicht. Wer die beste Reisezeit für Österreich kennt, erlebt Landschaft und Kulinarik ohne Gedränge. Aktuelle Zahlen zeigen, welche Regionen sich über Gäste freuen und in welchen Monaten sich Gäste und Gastgeber gleichermaßen wohlfühlen.
Wo Gäste willkommen sind: Zahlen der Statistik Austria
Ob ein Ort überlaufen wirkt, entscheidet nicht nur die Besucherzahl, sondern auch das Empfinden der Menschen, die dort leben. Die Statistik Austria fragt das jährlich ab. In der Erhebung Tourismusakzeptanz 2025, veröffentlicht am 11. Juni 2026, zeigt sich ein deutliches Gefälle:
| Bundesland | „Zu viele“ Gäste am Wohnort | „Zu wenige“ Gäste |
|---|---|---|
| Salzburg | 14,3 % | 3,7 % |
| Wien | 13,8 % | 2,5 % |
| Tirol | 10,6 % | 5,3 % |
| Kärnten | 2,4 % | 8,2 % |
| Niederösterreich | 1,8 % | 15,5 % |
| Burgenland | 1,5 % | 12,9 % |
| Steiermark | 1,4 % | 11,3 % |
| Österreich gesamt | 6,0 % | 8,7 % |
In Niederösterreich, im Burgenland und in der Steiermark wünschen sich mehr Menschen zusätzliche Gäste, als zu viele empfinden. Dort bist du gern gesehen, und dein Besuch hilft Gastgebern, Winzern und Gastwirten, die auf kleinere Besucherströme angewiesen sind.
Auch die Jahreszeit zählt. Laut der Erhebung wird der Sommer in allen Bundesländern am häufigsten als starke Saison genannt. In Tirol empfinden 32 % der Befragten viele Gäste, und mehr als die Hälfte von ihnen nennt den Winter. Wer also Salzburg oder Tirol kennenlernen möchte, wählt am besten eine ruhige Zeit zwischen den Hauptsaisonen.
Diese Zahlen sind ein Hinweis, kein Verbot. Eine Region mit weniger Andrang ist nicht automatisch nachhaltiger, aber du verteilst Gäste klüger und lernst Orte kennen, die sonst übersehen werden.
Die Jahreszeiten im Überblick: Wann passt was?

Diese Übersicht zeigt dir auf einen Blick, wann es in den ruhigeren Regionen besonders lohnt:
| Zeit | Das erlebst du | Eher vermeiden |
|---|---|---|
| April, Mai | Blüte in Wachau und Burgenland, milde Tage, ruhige Wege | Hochgebirge (noch Schnee) |
| Juni, Anfang Juli | Mohnblüte im Waldviertel, lange Tage, Badesaison beginnt | Wörthersee am Wochenende |
| September, Oktober | Weinlese, Sturm, goldene Wälder, ideales Wanderwetter | Wein-Hotspots an Wochenenden |
| November bis März | Thermen, Langlaufen, kleine Adventmärkte, Stille | Große Skigebiete in den Ferien |
Frühling: die unterschätzte Zeit
Zwischen Winter- und Sommersaison fährt kaum jemand. Genau dann blüht die Wachau: Die Marillenbäume stehen Ende März und im April in voller Blüte, was die Landschaft in ein zartes Weiß taucht. Am Neusiedler See ziehen im Frühjahr Zugvögel durch, und im Burgenland blühen Mandelbäume. Es ist mild genug für Radtouren und Wanderungen, die Preise sind moderat, und viele Betriebe haben Zeit für Gespräche.
Rechne damit, dass einzelne Betriebe nach der Wintersaison noch geschlossen sind. Ruf vorher an, das lohnt sich.
Sommer: ja, aber mit Plan
Der Sommer ist in allen Bundesländern die Zeit mit dem größten Andrang. In Kärnten sagen laut Statistik Austria acht von zehn Befragten, die viele Gäste wahrnehmen, dass es im Sommer auftritt. Wer dennoch im Sommer reist, wählt kleinere Orte: Im Waldviertel blüht Mitte Juni bis Juli der Mohn, im Burgenland badest du am Neusiedler See, in Kärnten an kleineren Seen wie dem Weißensee oder dem Pressegger See. Meide die bekannten Hotspots am Wochenende und fahr unter der Woche.
Herbst: die Zeit zum Genießen
Im September und Oktober treffen mildes Wetter, Weinlese und Wanderwetter zusammen. Die Südsteiermark ist dann wohl die schönste Seite des Landes: Weinstraßen, Buschenschanken, Kürbisfelder. Im Burgenland und in der Wachau wird gelesen, im Waldviertel sammelt man Pilze. Dazu kommt die Küche: Sturm, Kürbis und im November das Martinigansl. Reserviere an Wochenenden früh, denn die Betriebe sind klein.
Winter: Stille statt Skischaukel
Auch ohne Skipass lohnt sich der Winter. Im Waldviertel gehst du im Jänner auf Langlaufloipen durch verschneite Wälder, in den Thermenregionen von Niederösterreich, Burgenland und der Steiermark entspannst du bei jedem Wetter. Am Weißensee lädt das Natureis zum Eislaufen ein, und in Krems und Dürnstein findest du kleine Adventmärkte. Mehr dazu im Beitrag zum nachhaltigen Winterurlaub in Österreich.
Ruhige Regionen im Porträt
Niederösterreich: Wachau und Waldviertel
Die Wachau ist UNESCO-Welterbe, mit Weinbergen, Marillengärten und Städtchen wie Dürnstein, Melk und Krems. Du erreichst sie mit der Bahn über Krems oder Melk und erkundest sie per Rad entlang der Donau. Für längere Aufenthalte bieten sich Winzerhöfe an, etwa in Weißenkirchen oder Spitz.
Das Waldviertel gilt als eine der stillsten Ecken des Landes: Teiche, Wälder, sanfte Hügel, Mohn, Karpfen. Die Waldviertelbahn und Wanderwege direkt ab der Unterkunft machen Autofahren fast überflüssig. Mehr über die Region findest du bei Niederösterreich.
Burgenland: Neusiedler See und Weinstraßen
Der Neusiedler See ist ein Steppensee mit Schilfgürtel und Vogelparadies, die Radwege rund um den See sind flach und familienfreundlich. Rust, Mörbisch und Podersdorf sind die bekanntesten Orte, kleinere Weinorte wie Gols oder Purbach sind ruhiger. Von Wien aus kommst du mit Bahn und Bus an. Details zur Region findest du im Beitrag zum Burgenland.
Steiermark: Südsteiermark und Thermenland
Die Südsteirische Weinstraße verbindet Hügel, Buschenschanken und Weißweine. Sie ist im Herbst am schönsten und im Frühjahr am ruhigsten. Mit dem E-Bike meisterst du die Hügel. Ausgangspunkt ist Graz und Umgebung, mehr zu Weinstraße und Weststeiermark findest du bei Süd- und Weststeiermark. Eine Übersicht bietet die Steiermark.
Kärnten: kleine Seen statt Rummel
Neben Wörthersee und Millstätter See gibt es Seen, an denen es ruhiger zugeht: den Weißensee, den Pressegger See oder den Faaker See. Der Weißensee ist im Winter für sein Natureis bekannt. Das Südufer erreichst du nur zu Fuß oder mit dem Boot. Details zu Kärnten, zum Wörthersee und zur Region Villach, Faaker See und Ossiacher See findest du in unseren Regionsseiten.
Wann es auch in der Nebensaison voll wird
Auch ruhige Regionen haben Spitzen. Rund um Ostern, Pfingsten, Allerheiligen und den Nationalfeiertag am 26. Oktober füllen sich Pensionen und Gasthäuser, besonders an Wochenenden. Im Herbst kommen die Weinlese-Wochenenden dazu, an denen Buschenschanken in der Südsteiermark und im Burgenland oft ausgebucht sind.
Mit zwei Handgriffen vermeidest du den Andrang: Reise unter der Woche und buche Quartier und Tischreservierung früh. Wenn du Feiertage nicht umgehen kannst, wähle einen Ort abseits der bekannten Weinstraßen, etwa eine kleinere Gemeinde im Waldviertel oder im Südburgenland. Dort ist auch am Feiertag meist noch Platz auf dem Wanderweg.
Genusskalender: Was wann auf den Tisch kommt
Wer zur richtigen Zeit reist, schmeckt den Unterschied. Saisonale Küche ist nicht nur eine Frage des Geschmacks, sie verkürzt auch die Wege vom Feld auf den Teller.
- April und Mai: Spargel aus dem Marchfeld und frische Kräuter, dazu leichte Weine vom letzten Jahr.
- Juli: Die Marillenernte in der Wachau. Frische Marillen, Knödel und Marmelade vom Hof gibt es direkt beim Erzeuger.
- September: Sturm, der junge, noch gärende Wein, und Weintrauben direkt vom Weinstock.
- Oktober: Kürbis, Maroni, Pilze und das Abfischen der Teiche im Waldviertel, bei dem regionaler Karpfen auf die Karte kommt.
- November: Martinigansl rund um den 11. November, vor allem im Burgenland und in der Südsteiermark.
- Dezember bis Februar: Wintergemüse, Wild und deftige Suppen. Auf kleinen Adventmärkten bekommst du Punsch und Gebäck von regionalen Erzeugern.
Frag in Gasthäusern nach der Herkunft. Betriebe, die regional kochen, sagen dir gern, von welchem Hof die Zutaten stammen.
Vier Reisen im Jahr: Beispiele zum Nachbauen
Aus den Empfehlungen oben lassen sich einfache Reisen bauen, die du mit Bahn und Rad bewältigst.
Frühling in der Wachau (3–4 Nächte): Zug nach Krems, ein Winzerhof in Spitz oder Weißenkirchen als Quartier, tagsüber mit dem Rad entlang der Donau, ein Schiffsausflug zwischen den Orten. Abends Heuriger.
Sommer im Waldviertel (4–5 Nächte): Zug nach Gmünd oder Zwettl, eine Pension mit Wanderwegen ab der Haustür, Mohnblüte Mitte Juni bis Juli. Für heiße Tage gibt es die Teiche.
Herbst in der Südsteiermark (3–4 Nächte): Zug nach Graz, weiter mit Bus oder Regionalbahn, ein Weingut oder Buschenschank als Quartier. Mit dem E-Bike über die Weinstraße, an den Wochenenden früh reservieren.
Winter am Weißensee oder in der Thermenregion (3 Nächte): Eislaufen, Winterwandern, Langlaufen, danach Sauna. Prüfe die Eisfreigabe am Weißensee kurz vor der Anreise.
Das sind Anregungen, keine Rezepte. Wichtiger als die Route ist, dass du Zeit mitbringst. Wer langsam reist, sieht mehr und belastet weniger.
Was du als Gast bewirken kannst, und was nicht
Die Nebensaison zu wählen, ist ein guter Hebel, aber kein Allheilmittel. Du entlastest Orte mit starkem Andrang, hilfst Betrieben in schwächeren Monaten und genießt ruhigere Landschaften. Das Klima schützt du damit allerdings nicht automatisch. Den größten Anteil deiner Reisebilanz macht meist die Anreise aus, die Jahreszeit ändert daran wenig.
Auch Betriebe in der Nebensaison haben Grenzen. Manche Gasthäuser öffnen nur an wenigen Tagen, und das Personal fehlt außerhalb der Saison. Plane Puffer ein, hab Verständnis für Ruhetage und buche früh, wenn du ein bestimmtes Haus im Auge hast. Mit dieser Einstellung wird die Nebensaison zu einer guten Erfahrung für Gäste und Gastgeber.
Anreise und Unterkunft: kleine Betriebe mit klaren Aussagen
Reise, wo möglich, mit der Bahn. Sie ist auf Strecken wie Wien–Krems, Wien–Neusiedler See oder Wien–Graz gut ausgebaut. Vor Ort kommst du mit Rad, Bus oder Schiff weiter, an der Donau fährt zwischen einigen Orten ein Schiff.
Bei der Unterkunft lohnt sich ein Blick auf Größe und Angaben. Kleine, familiengeführte Betriebe wie Winzerhöfe, Pensionen und Bauernhöfe erzählen oft offen, woher Strom und Lebensmittel stammen. Achte auf geprüfte Siegel wie das Österreichische Umweltzeichen und lass dir andere Aussagen belegen. Unser Beitrag zu nachhaltigen Unterkünften zeigt, wie du zwischen echter Nachhaltigkeit und Werbung unterscheidest.
Deine Checkliste für bewusstes Reisen
Vor der Reise:
- Wähle eine Region mit freier Kapazität statt eines Hotspots.
- Reise in der Nebensaison, wenn es dir möglich ist.
- Buche eine kleine Unterkunft mit belegbaren Angaben.
- Plane die Anreise mit der Bahn.
Während der Reise:
- Nutze Rad, Bus und Bahn vor Ort.
- Iss in Gasthäusern, Buschenschanken und kaufe in Hofläden.
- Bleib auf markierten Wegen und halte Ruhezeiten ein.
- Bleib mindestens drei Nächte, statt jeden Tag weiterzuziehen.
Nach der Reise:
- Bewerte Betriebe, die dich überzeugt haben, und empfiehl sie weiter.
- Komm wieder: Wer Stammgast wird, stärkt eine Region mehr als jemand, der ständig neue Orte sammelt.
Häufige Fragen zur besten Reisezeit in Österreich
Wann ist die beste Reisezeit für Österreich?
Das hängt vom Ziel ab. Für Wein, Wandern und Kulinarik sind September und Oktober ideal, für Blüte und Radtouren April und Mai. Der Sommer eignet sich für Seen, Berge und Familienurlaub, der Winter für Thermen und Langlauf.
Welche Regionen sind weniger überlaufen?
Laut Statistik Austria empfinden in Niederösterreich, im Burgenland und in der Steiermark nur 1,4 bis 1,8 % der Befragten zu viele Gäste. Auch Kärnten liegt mit 2,4 % niedrig. Die höchsten Werte haben Salzburg, Wien und Tirol.
Lohnt sich die Nebensaison wirklich?
Ja, wenn du Ruhe, moderate Preise und mehr Kontakt zu Gastgebern suchst. Du musst aber damit rechnen, dass einzelne Betriebe geschlossen haben und das Wetter schwanken kann. Eine kurze Rückfrage beim Quartier klärt das.
Wann sind Unterkünfte am günstigsten?
Außerhalb der Ferien und Feiertage, meist im April, Mai, Oktober und November sowie im Jänner. Die Preise unterscheiden sich je nach Region und Haus. Frag bei kleinen Betrieben nach Pauschalen für mehrere Nächte, denn viele geben für längere Aufenthalte einen Nachlass.
Wie lange sollte ich bleiben?
Mindestens drei Nächte. Ein längerer Aufenthalt macht die Anreise lohnender, schont die Region vor ständigem Wechsel und gibt dir Zeit, einen Ort wirklich kennenzulernen.
Fazit: Der richtige Zeitpunkt macht den Unterschied
Du musst Salzburg, Tirol oder Wien nicht meiden, aber du kannst sie zu ruhigeren Zeiten besuchen oder Alternativen entdecken, die genauso schön sind. Die Zahlen der Statistik Austria zeigen, dass es ein Österreich jenseits der Hotspots gibt: Regionen, die sich über Gäste freuen.
Reisen in der Nebensaison ist eine Form von Genuss: Du bekommst Zeit, Gespräche und Platz am Tisch. Das ist kein Verzicht, sondern die angenehmere Art, ein Land kennenzulernen.
Dein nächster Schritt: Wähle einen Monat aus dem Kalender oben und such dir dazu eine Region. Wer sich vorher über Andrang informieren möchte, findet im Beitrag zu Overtourism in Österreich mehr.
Weiterlesen in unserer Serie „Tourismus, der bleibt“:
- Wie nachhaltiger Tourismus die Akzeptanz in Österreichs Regionen stärkt
- Salzburg, Tirol, Wien: Wo Overtourism zur Herausforderung wird
- Warum nachhaltige Unterkünfte die Zukunft des Tourismus sichern
- Dieser Guide
Quellen:
- Statistik Austria (2026): Tourismusakzeptanz in Österreich 2025 bleibt hoch. Pressemitteilung Nr. 14 200-119/26, Wien, 11.06.2026
- Umweltzeichen Österreich: Factsheet Tourismus und Gastronomie, Stand Dezember 2024
