Wie entwickelte sich das Reisen? Von der ersten Pauschalreise zum nachhaltigen Tourismus
Stell dir vor: Es ist das Jahr 1841. Du stehst an einem Bahnhof in Leicester, England. Um dich herum drängen sich 570 aufgeregte Menschen – Arbeiter, Handwerker, einfache Leute. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie werden heute die allererste organisierte Pauschalreise der Geschichte antreten. Ein gewisser Thomas Cook hat sie für einen Shilling pro Person organisiert. Ziel: Ein Ausflug nach Loughborough, gerade mal 19 Kilometer entfernt.
Was damals wie ein kleines Abenteuer begann, sollte die Welt für immer verändern. Doch wie wurde aus diesem bescheidenen Tagesausflug die globale Tourismusindustrie, die wir heute kennen? Und wohin führt uns die Reise in Zukunft?
Die Anfänge: Reisen als Privileg der Wenigen
Reisen ist keine Erfindung der Neuzeit. Bereits im antiken Griechenland dokumentierte der Geschichtsschreiber Herodot um 500 v. Chr. seine ausgedehnten Reisen durch Ägypten, Persien und das Mittelmeer. Doch diese frühen Reisen waren kein Vergnügen – sie waren Forschungsexpeditionen, Handelsrouten oder religiöse Pilgerfahrten.
Im Mittelalter reisten vor allem Kaufleute, Pilger und Adelige. Die Strapazen waren enorm: holprige Wege, Räuberbanden, monatelange Fußmärsche. Reisen war gefährlich, teuer und den wenigsten vorbehalten.
Erst mit der industriellen Revolution änderte sich alles. Die Erfindung der Dampflokomotive machte Reisen schneller, sicherer und – entscheidend – erschwinglicher.
1841: Die Geburt des modernen Tourismus
Thomas Cook erkannte das Potenzial. Als überzeugter Abstinenzler organisierte er jenen legendären Ausflug nach Loughborough für eine Gruppe von Temperenzlern – Menschen, die sich gegen Alkohol einsetzten. Der Erfolg war überwältigend.
Cook verfeinerte sein Konzept: Er verhandelte Gruppentarife mit Eisenbahngesellschaften, organisierte Unterkünfte und kümmerte sich um alle Details. 1855 führte er die erste Pauschalreise auf den Kontinent durch – nach Paris zur Weltausstellung. 1869 folgte die erste Rundreise durch den Nahen Osten und Ägypten.
Was Cook erschuf, war revolutionär: Reisen wurde zum Produkt. Plötzlich konnten auch normale Bürger sich Urlaub leisten. Der Grundstein für den Massentourismus war gelegt.
Das goldene Zeitalter: Reisen wird zum Massenphänomen
Im 20. Jahrhundert explodierte der Tourismus förmlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten die westlichen Gesellschaften einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung. Bezahlter Urlaub wurde zur Norm. Die Menschen hatten Geld – und den Wunsch, die Welt zu sehen.
Die 1950er und 60er Jahre brachten den Durchbruch der Flugreisen. Plötzlich waren Mallorca, die Kanarischen Inseln und später Thailand in wenigen Stunden erreichbar. Reiseveranstalter wie TUI und Neckermann machten aus dem Urlaubstraum ein bezahlbares Paket für Millionen.
Österreich profitierte enorm von diesem Boom: Die Alpen wurden zum Sehnsuchtsort für Skifahrer und Wanderer aus ganz Europa. Kleine Bergdörfer verwandelten sich in florierende Tourismusorte.
Die Schattenseiten: Wenn Reisen zum Problem wird
Doch mit dem Erfolg kamen die Probleme. Overtourism – die Überlastung beliebter Reiseziele – wurde zur Realität. Venedig versinkt unter Kreuzfahrttouristen. Barcelona wehrt sich gegen Airbnb-Schwemmen. Die Malediven kämpfen mit Plastikmüll an paradiesischen Stränden.
Der ökologische Fußabdruck des Tourismus ist gewaltig: Flugverkehr, Kreuzfahrtschiffe, Ressourcenverbrauch in Hotels, Zerstörung natürlicher Lebensräume. Die Tourismusbranche ist für etwa 8% der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich.
Gleichzeitig führte der Massentourismus zu kultureller Verflachung. Authentische Erlebnisse wurden durch inszenierte „Folklore-Shows“ ersetzt. Lokale Gemeinschaften wurden aus ihren Vierteln verdrängt, weil Ferienwohnungen profitabler waren als Wohnraum für Einheimische.
Die nächste Evolution: Nachhaltiger Tourismus als Antwort
Doch genau hier setzt die nächste große Entwicklung an. Immer mehr Reisende erkennen: So kann es nicht weitergehen. Eine neue Generation von Touristen sucht nach Alternativen – nach Reisen, die der Umwelt nicht schaden, die lokale Gemeinschaften stärken statt ausbeuten, die echte Begegnungen ermöglichen statt oberflächlicher Selfie-Spots.
Nachhaltiger Tourismus ist mehr als ein Trend. Es ist die logische Antwort auf die Exzesse der vergangenen Jahrzehnte. Und Österreich ist dabei Vorreiter.
Was macht nachhaltiges Reisen aus?
Umweltschutz: Anreise mit der Bahn statt dem Flugzeug. Hotels mit Ökozertifizierungen, die auf erneuerbare Energien setzen, Wasser sparen und regionale Produkte verwenden.
Soziale Verantwortung: Faire Löhne für Angestellte. Unterstützung lokaler Betriebe statt internationaler Ketten. Respekt vor kulturellen Traditionen.
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit: Tourismus, der der Region langfristig nützt, nicht nur kurzfristige Profite abwirft. Kleine, familiengeführte Unterkünfte statt Bettenburgen.
Slow Travel: Weniger Ziele, dafür intensiver erleben. Statt in zwei Wochen zehn Städte abzuhaken, lieber eine Region wirklich kennenlernen.
Österreich: Vorreiter für nachhaltigen Tourismus
Österreich hat erkannt, dass seine größte Stärke seine Natur ist – und dass diese geschützt werden muss. Viele Regionen setzen auf sanften Tourismus: autofreie Orte wie Werfenweng, Nationalparks mit strengen Auflagen, Bergbahnen mit Ökostrom.
Immer mehr österreichische Hotels tragen Umweltzertifikate wie das Österreichische Umweltzeichen oder das EU Ecolabel. Sie beweisen: Komfort und Nachhaltigkeit schließen sich nicht aus.
Auch die Anreise wird grüner. Die Nightjet-Verbindungen der ÖBB machen Nachtzüge wieder attraktiv. Wer aus Deutschland, der Schweiz oder Italien anreist, kann bequem und klimafreundlich in die österreichischen Alpen gelangen.
Die Zukunft des Reisens: Wohin geht die Reise?
Von Herodots Forschungsreisen über Thomas Cooks erste Pauschalreise bis zum Massentourismus des 20. Jahrhunderts – das Reisen hat sich ständig gewandelt. Und es wird sich weiter verändern.
Die Zukunft gehört dem bewussten Reisen. Reisen, das nicht nimmt, sondern gibt. Das Begegnungen schafft statt Distanz. Das die Welt öffnet, ohne sie zu zerstören.
Du hast die Wahl: Wirst du Teil dieser neuen Reisebewegung? Wirst du Orte besuchen, die deine Anwesenheit schätzen statt ertragen? Wirst du Erinnerungen sammeln, die nicht auf Kosten künftiger Generationen gehen?
Die Geschichte des Reisens ist noch nicht zu Ende geschrieben. Und du kannst mitbestimmen, wie das nächste Kapitel aussieht.
Bereit für dein nächstes nachhaltiges Abenteuer?
Entdecke Österreichs schönste Regionen – auf eine Art, die der Natur und den Menschen vor Ort guttut. Von den sanften Hügeln des Weinviertels über die kristallklaren Seen Kärntens bis zu den majestätischen Gipfeln Tirols: Nachhaltiger Tourismus in Österreich bedeutet echte Erlebnisse, authentische Begegnungen und die Gewissheit, dass deine Reise einen positiven Fußabdruck hinterlässt.
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Ich bin Philipp und brenne für nachhaltiges Reisen. Die Idee zu nachhaltigertourismus.at entwickelte ich während meines Masterstudiums in Green Marketing an der FH Wiener Neustadt – aus der Erkenntnis heraus, dass herkömmlicher Tourismus oft tiefe Spuren hinterlässt. Für mich bedeutet nachhaltiges Reisen: Orte bewusst erleben, lokale Kulturen respektieren und den eigenen Fußabdruck minimieren. Jede Reise erweitert meinen Horizont, lehrt mich Achtsamkeit und schenkt mir authentische Begegnungen, die mich prägen. Nachhaltiger Tourismus ist kein Verzicht – er ist eine bereichernde Erfahrung, die unser Leben und unsere Welt positiv verändert. Probier es aus und erlebe selbst, wie erfüllend bewusstes Reisen sein kann!
