Tourismusakzeptanz in Österreich: Was Einheimische wirklich denken

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Stell dir vor, du kommst abends in einem Bergdorf an. Der Parkplatz ist voll, im Gasthaus brennt Licht, und eine Frau mit Einkaufstasche grüßt dich. Ob sie sich über dich freut, kann keine Zahl sagen. Doch die Tourismusakzeptanz in Österreich zeigt, wie die Mehrheit denkt: 45 % der Bevölkerung nehmen die Auswirkungen des Tourismus auf ihren Wohnort positiv wahr, 8 % negativ (Statistik Austria, 2025).

Was die Erhebung 2025 zeigt

Saldo und Stimmung

Seit 2024 befragt Statistik Austria Menschen ab 15 Jahren regelmäßig, wie sie die Auswirkungen des Tourismus auf ihren Wohnort wahrnehmen. Die Ergebnisse für 2025 erschienen am 11. Juni 2026. Daraus wird der Tourismusakzeptanzsaldo (TAS) berechnet: der Anteil der positiven Antworten minus der Anteil der negativen, in Prozentpunkten. Er liegt 2025 bei +37, im Jahr davor bei +38.

So verteilen sich die Antworten: 19,8 % sehen die Auswirkungen überwiegend positiv, 25,1 % eher positiv. 38,8 % antworten neutral, 5,9 % eher negativ und 1,8 % überwiegend negativ. 8,5 % wissen es nicht. Die größte Gruppe ist also weder begeistert noch verärgert.

Die Frage ist nicht neu. Schon 2020 und 2023 gab es Online-Befragungen zur Tourismusakzeptanz, mit 2.237 und 2.439 Personen. Seit 2024 erhebt Statistik Austria sie amtlich und laufend. Die Werte lassen sich nicht direkt vergleichen: 2023 lag ein Index von 75 auf einer Skala von 0 bis 100 vor, heute gibt es den Saldo.

Statistik Austria bezeichnet den Wert als weitgehend stabil. Ein Punkt mehr oder weniger ist deshalb kein Stimmungsumschwung. Aussagekräftiger sind größere Verschiebungen, wie sie einzelne Bundesländer zeigen, und der Vergleich über mehrere Jahre, der erst mit den nächsten Erhebungen möglich wird.

Die Bundesländer im Vergleich

Hinter dem Durchschnitt liegen deutliche Unterschiede. Die Tabelle zeigt den Saldo beider Jahre und den Anteil der Menschen, die die Zahl der Gäste an ihrem Wohnort für „eher viele“ oder „zu viele“ halten.

BundeslandTAS 2024TAS 2025VeränderungGäste „eher viele“ oder „zu viele“ (2025)
Kärnten+43+43014,9 %
Vorarlberg+39+43+419,5 %
Steiermark+41+42+19,9 %
Salzburg+40+41+137,4 %
Wien+48+41−748,3 %
Tirol+36+34−232,3 %
Burgenland+38+34−45,5 %
Oberösterreich+32+3207,4 %
Niederösterreich+30+31+15,0 %
Österreich+38+37−121,2 %
Quelle: Statistik Austria (2025, 2026), Tourismusakzeptanz 2024 und 2025. Die letzte Spalte ist die Summe der Antworten „eher viele“ und „zu viele“ am Wohnort. Rundungsdifferenzen sind nicht ausgeglichen.

In Wien sinkt der Saldo um sieben Punkte, in Vorarlberg steigt er um vier. In Wien, Salzburg und Tirol empfinden zugleich die meisten Menschen die Gästezahl als hoch. Was das für Natur, Verkehr und Wohnen bedeutet, steht in unserem Beitrag zu den Folgen des Massentourismus.

Die niedrigsten Salden stehen nicht für Ablehnung. In Niederösterreich und Oberösterreich antworten 47 bis 48 % neutral, und nur rund 5 % negativ. Den höchsten Anteil negativer Antworten hat Tirol mit 15,6 %, vor Salzburg mit 11,2 %.

Was die Zahlen nicht messen

Die Erhebung fragt nach der Wahrnehmung am eigenen Wohnort. Sie ist eine Online-Befragung mit freiwilliger Teilnahme, und die Bundesländerwerte glätten Unterschiede zwischen einzelnen Orten. Für Gemeinden liefert Statistik Austria zusätzlich Modellschätzungen.

Ob jemand wegen der Gäste umzieht, sich engagiert oder über Mieten schimpft, steht in keiner Zahl. Der Saldo ist ein Stimmungsbild, kein Zeugnis für einen Ort. Das solltest du im Hinterkopf behalten, wenn du die Werte liest.

Warum Menschen Tourismus mögen oder ablehnen

Die Pressemitteilung 2025 nennt die Gründe ohne Prozentwerte. Die Richtung ist trotzdem klar.

Was Menschen schätzen

Positiv wirken laut Statistik Austria vor allem die Stärkung der Wirtschaft, die Effekte auf die Gastronomie sowie der Erhalt von Angebot und Infrastruktur am Ort. Man kann sich darunter Gasthäuser, Läden oder Buslinien vorstellen, die sich auch wegen der Gäste halten.

Dazu passt die allgemeine Einschätzung: 71 % messen dem Tourismus eine hohe Bedeutung für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Freizeitangebote in Österreich bei.

Was Menschen stört

Auf der negativen Seite stehen mehr Verkehr, zu viele Gäste und Preissteigerungen durch die höhere Nachfrage. Österreichweit finden 36 % die Zahl der Gäste an ihrem Wohnort passend. Rund 21 % halten sie für eher oder zu hoch, rund 33 % für eher oder zu niedrig.

Die Mehrheit stört sich also nicht an Gästen, ein Drittel wünscht sich sogar mehr davon. Wo viele Gäste zusammenkommen, fallen die Antworten kritischer aus.

Fragt man nach ganz Österreich statt nach dem eigenen Wohnort, wird das Urteil etwas strenger: 48 % halten die Zahl der Gäste im Land für angemessen, 28 % für eher hoch. Den eigenen Ort sehen die Menschen demnach gelassener als das Land insgesamt.

Wem der Tourismus persönlich etwas bringt

Die persönliche Bedeutung ist kleiner als die allgemeine. Nur 5 % sehen den Tourismus für ihre berufliche oder finanzielle Situation als sehr wichtig, weitere 6 % als wichtig. Am eigenen Wohnort halten 38,6 % den Tourismus für hoch bedeutend, in Wien 61,5 %, in Salzburg 53,8 % und in Niederösterreich 20,9 %.

Ob Menschen den Tourismus eher mögen, wenn sie selbst davon leben, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen. Die Erhebung stellt beide Fragen getrennt.

Was Orte tun, damit Einheimische mitreden

Akzeptanz lässt sich nicht verordnen. Orte können aber zuhören und steuern. Das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) sammelt solche Beispiele in der Broschüre „Find the right balance“ (2. Auflage, 2026). Zusätzlich förderte es im Call 2024/2025 16 von 21 eingereichten Projekten in sieben Bundesländern, insgesamt mit rund 520.000 Euro und bis zu 80 % der förderbaren Kosten.

Befragen und beteiligen

Im Alpbachtal beantworteten 1.128 Menschen den „LebensQualiMeter“. Rund 40 Beteiligte aus der Region arbeiteten danach in Workshops weiter. Daraus entstanden fünf Handlungsfelder, deren Umsetzung noch läuft.

Bei NextStep Tourism wurden rund 10.000 Haushalte befragt, knapp 2.000 Fragebögen kamen zurück. Betriebe, Tourismus und einheimische Bevölkerung sind gemeinsam im Projekt vertreten, das WIFO unterstützt es wissenschaftlich.

Besucher lenken

Seefeld in Tirol kombiniert anonymisierte Mobilfunkdaten mit Wetter-, Ferienkalender- und Eventdaten. Daraus entstehen Auslastungsprognosen für ausgewählte Ausflugsziele, die auf der Website veröffentlicht werden. Gäste können damit vorab sehen, wo es voraussichtlich voll wird.

Die Anreise lenken

In Wagrain-Kleinarl lief unter dem Titel „Deine Anreise zählt“ ein Projekt mit 30 Beherbergungsbetrieben. Sie sammelten über 3.500 Rückmeldungen von Gästen, per A/B-Test beim Check-in und bei der Buchung. Das Ergebnis fällt nüchtern aus: Der Pkw dominiert weiterhin.

Bei keinem dieser Beispiele berichtet die Broschüre, dass die Akzeptanz dadurch gestiegen ist. Sie zeigen Wege, keine bewiesene Wirkung. Das ist kein Vorwurf: Die laufende Messung gibt es erst seit 2024, Veränderungen lassen sich noch kaum nachweisen.

Woran du ernst gemeinte Beteiligung erkennst

Eine Umfrage allein verändert noch nichts. Ob ein Ort es ernst meint, siehst du an drei Dingen:

  • Die Ergebnisse werden veröffentlicht, auch die unbequemen.
  • Die Befragung wird nach einigen Jahren wiederholt, damit sich Veränderungen zeigen.
  • Es ist erkennbar, welche Entscheidung aus den Antworten folgt.

Das ist unsere redaktionelle Einschätzung und kein Prüfsiegel. Sie hilft aber, Ankündigungen von Ergebnissen zu unterscheiden.

Stärkt nachhaltiger Tourismus die Akzeptanz?

Was sich begründen lässt

Verkehr, Gästezahl und Preise sind die genannten Ärgernisse. An genau diesen Punkten setzen Konzepte für nachhaltigen Tourismus an: Anreise ohne Auto, Verteilung der Gäste über das Jahr und über mehrere Regionen, mehr Wertschöpfung vor Ort.

  • Verkehr: Wer mit Bahn und Bus anreist und vor Ort eine Gästekarte nutzt, braucht keinen Parkplatz im Ortskern.
  • Gästezahl: Wer in der Nebensaison oder in weniger besuchten Regionen reist, verteilt die Nachfrage. Das setzt voraus, dass es dort Angebote gibt.
  • Preise: Wer in Betrieben bucht und isst, die vor Ort wirtschaften, lässt Geld in der Region. Ob das die Preise für Einheimische dämpft, ist offen.

Wie das im Alltag aussehen kann, zeigen unser Beitrag zur autofreien Fortbewegung und der Überblick über nachhaltige Regionen. Dass es die Stimmung verbessert, folgt daraus nicht automatisch. Es ist eine plausible Überlegung, kein Befund.

Ein Hinweis steckt in den Zahlen: In Wien, Salzburg und Tirol, wo die meisten Menschen die Gästezahl als hoch empfinden, ist der Anteil negativer Antworten höher als der Durchschnitt von 8 %. Akzeptanz hängt offenbar mit der Belastung vor Ort zusammen.

Was offen bleibt

Für Österreich haben wir keine Untersuchung gefunden, die zeigt, dass Umweltzeichen, Zertifizierungen oder nachhaltige Angebote die Akzeptanz der Bevölkerung erhöhen. Ein zertifizierter Betrieb steht außerdem in einem Ort, der trotzdem voll sein kann. Die Nachhaltigkeit eines Betriebs und die Verträglichkeit für den Ort sind zwei verschiedene Fragen.

Hinzu kommt, dass sich mehrere Einflüsse überlagern. Wohnkosten, Verkehr und Jahreszeit wirken gleichzeitig auf die Stimmung. Eine einzelne Maßnahme lässt sich daher schwer herauslösen.

Was Nachhaltigkeit im Tourismus ausmacht und woran du sie erkennst, erklärt unser Beitrag zu Nachhaltigkeit im Tourismus.

Die Politik hat die Frage aufgegriffen. Die Tourismusstrategie Vision T des BMWET (Juni 2026) führt den Tourismusakzeptanzsaldo als einen von neun Kernindikatoren. Der Ausgangswert beträgt rund +37, das Ziel für 2035 ist +40. Die Strategie verpflichtet sich außerdem, die Haltung der Einheimischen laufend zu messen.

Was du als Gast beitragen kannst

Du änderst die Akzeptanz eines Ortes nicht allein. Du kannst aber beeinflussen, ob du verstärkst, was Einheimische stört, oder was sie schätzen. Fünf Punkte helfen dabei:

  • Anreise: Reise mit Bahn und Bus an, wenn es sich anbietet. Frag bei der Buchung nach Gästekarten, die den öffentlichen Verkehr einschließen. Tipps findest du im Beitrag zur autofreien Fortbewegung.
  • Reisezeit: Nebensaison und Wochentage verteilen die Gäste besser. Prüfe, ob dein Ziel Auslastungsprognosen veröffentlicht, wie Seefeld.
  • Hotspots: Wo es in Wien, Salzburg und Tirol eng wird und welche Alternativen es gibt, zeigt der Beitrag zu Overtourism in Österreich.
  • Verhalten: Halte dich an Parkregeln, bleib abends leise und verlass markierte Wege nicht. Das kostet dich nichts.
  • Einkauf und Gespräch: Kauf im Hofladen, in der Bäckerei und im Gasthaus vor Ort. Frag, wie die Menschen im Ort den Tourismus erleben. Ein Gespräch ergänzt die Statistik.

Reist du in einen der Orte, in denen die Stimmung angespannter ist, lohnt sich besondere Rücksicht. Plane dort mehr Zeit für Anreise und Parkplatzsuche ein, buche möglichst mehrere Nächte und vermeide die Spitzentage, an denen ohnehin alle unterwegs sind. So wirst du eher als Gast wahrgenommen, der bleibt, und weniger als einer, der durchfährt.

Häufige Fragen

Was ist der Tourismusakzeptanzsaldo?

Der Tourismusakzeptanzsaldo ist die Differenz aus positiven und negativen Wahrnehmungen der Auswirkungen des Tourismus auf den Wohnort. Er reicht von −100 bis +100 Prozentpunkte. Statistik Austria veröffentlicht ihn jährlich, für 2025 liegt er bei +37.

Wie viele Menschen in Österreich sehen den Tourismus positiv?

Laut Statistik Austria nehmen 45 % der Bevölkerung ab 15 Jahren die Auswirkungen des Tourismus auf ihren Wohnort positiv wahr, 8 % negativ (2025). 39 % antworten neutral. Im Jahr 2024 lagen die Werte bei 45 % und 7 %.

Wo ist die Akzeptanz am niedrigsten?

Beim Saldo liegen Niederösterreich (+31) und Oberösterreich (+32) hinten, dort überwiegen neutrale Antworten. Den höchsten Anteil negativer Antworten hat Tirol mit 15,6 %. Ein niedriger Saldo und Ablehnung sind also nicht dasselbe.

Hilft nachhaltiger Tourismus gegen Ablehnung?

Plausibel ist es, weil er Verkehr, Gästezahl und Preise ansprechen kann. Belegt ist es für Österreich nach unserem Stand nicht. Offen ist, welche Maßnahmen die Haltung der Bevölkerung tatsächlich verändern.

Wann erscheinen die nächsten Zahlen?

Statistik Austria erhebt die Tourismusakzeptanz vierteljährlich und veröffentlicht sie einmal im Jahr. Die Ergebnisse für 2025 erschienen im Juni 2026, die nächste Veröffentlichung ist für Juni 2027 vorgesehen.

Fazit: Dein nächster Schritt

Die meisten Menschen in Österreich sehen den Tourismus positiv oder neutral, und der Saldo ist seit 2024 stabil. Kritischer wird es dort, wo es eng ist. Orte setzen auf Befragungen und Besucherlenkung, doch ob das die Akzeptanz hebt, ist noch nicht gemessen. Nachhaltiger Tourismus kann an den richtigen Stellen ansetzen, bewiesen ist seine Wirkung auf die Akzeptanz aber nicht.

Dein nächster Schritt: Wähle Anreise und Reisezeit so, dass der Ort dich gut verträgt. Eine Checkliste mit fünf Schritten hilft dir bei der Planung.

Weiterlesen in der Serie „Tourismus, der bleibt“:


Quellen

  • Statistik Austria (2026): Tourismusakzeptanz in Österreich 2025. Pressemitteilung vom 11. Juni 2026. Pressemitteilung (PDF)
  • Statistik Austria (2025): Tourismusakzeptanz 2024. Pressemitteilung vom 30. Juni 2025. Pressemitteilung (PDF)
  • BMWET (2026): Find the right balance. Anregungen und Praxisbeispiele für nachhaltig ausgewogenen Tourismus. 2. Auflage. Seite beim BMWET
  • BMWET (2026): Unser Tourismus: Wertvoll für alle – 365 Tage im Jahr. Die Tourismusstrategie für Österreich (Vision T). Strategie (PDF)
  • BMWET: Tourismusakzeptanz (Erhebungen 2020 und 2023). Seite beim BMWET

Stand der Zahlen: Oktober 2026. Die nächste Veröffentlichung von Statistik Austria ist für Juni 2027 vorgesehen.

Philipp Walz
Philipp Walz

Ich bin Philipp und brenne für nachhaltiges Reisen. Die Idee zu nachhaltigertourismus.at entwickelte ich während meines Masterstudiums in Green Marketing an der FH Wiener Neustadt – aus der Erkenntnis heraus, dass herkömmlicher Tourismus oft tiefe Spuren hinterlässt. Für mich bedeutet nachhaltiges Reisen: Orte bewusst erleben, lokale Kulturen respektieren und den eigenen Fußabdruck minimieren. Jede Reise erweitert meinen Horizont, lehrt mich Achtsamkeit und schenkt mir authentische Begegnungen, die mich prägen. Nachhaltiger Tourismus ist kein Verzicht – er ist eine bereichernde Erfahrung, die unser Leben und unsere Welt positiv verändert. Probier es aus und erlebe selbst, wie erfüllend bewusstes Reisen sein kann!

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