Tomorrow Film: 5 Lösungen für nachhaltigen Tourismus in Österreich

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Ein Film ohne Weltuntergang: „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“ zeigt Menschen, die schon heute etwas verändern. Den Dokumentarfilm von Cyril Dion und Mélanie Laurent (2015) kannst du auch als Landkarte für nachhaltigen Tourismus lesen. Seine fünf Kapitel spiegeln sich in Österreich wider. Wo das gelingt und wo es hakt, zeigen wir dir.

Der Tomorrow-Film: Worum geht es?

Der französische Dokumentarfilm („Demain“) entstand 2015 nach einer Studie, die vor gravierenden Folgen des Klimawandels warnte. Statt Panik zu verbreiten, fragten Dion und Laurent: Was können wir tun? Die beiden reisten um die Welt und besuchten Menschen, die bereits Lösungen umsetzen.

Die fünf Kapitel des Films

  • Landwirtschaft: Permakultur, Stadtgärten, lokale Lebensmittel
  • Energie: erneuerbare Quellen und dezentrale Versorgung
  • Wirtschaft: Lokalwährungen und regionale Wertschöpfung
  • Demokratie: Bürgerbeteiligung und Selbstorganisation
  • Bildung: alternative Schulmodelle

Der Film gewann 2016 den César als bester Dokumentarfilm. Er will Mut machen, und das gelingt ihm. Er zeigt aber Beispiele und keine Studien. Ob sich ein Modell auf deine Region übertragen lässt, musst du im Einzelfall prüfen.

Was hat der Film mit nachhaltigem Tourismus zu tun?

Ein Tourismus-Kapitel gibt es nicht. Trotzdem hängt Tourismus an denselben Fragen: Woher kommt das Essen? Womit fahren wir? Wo bleibt das Geld? Wer entscheidet mit? Und was wissen Gäste über den Ort, an dem sie sind?

Lektion 1: Landwirtschaft – vom Feld auf den Teller

Stell dir ein Frühstück vor, bei dem du weißt, von welchem Hof die Butter kommt und wer den Käse gemacht hat. Genau diese Nähe meint das Landwirtschaftskapitel.

Im Film zeigt die Permakultur-Farm Bec Hellouin in der Normandie, wie sich auf kleiner Fläche intensiv und ohne schweres Gerät Gemüse anbauen lässt. In Detroit entstehen aus leeren Grundstücken Gärten. Die Idee dahinter: Lebensmittel sollen kurze Wege haben.

Was das für den Tourismus heißt

  • Bio-Bauernhöfe: Gäste erleben, wo ihr Essen herkommt.
  • Almwirtschaft: Käse, Butter und Speck entstehen direkt am Berg.
  • Genussregionen: Der Bregenzerwald steht für Käse, die Steiermark für Kürbiskernöl und die Wachau für Marillen.
  • Regionale Küche: Wirte beziehen Zutaten von Betrieben in der Nähe.

Im Bregenzerwald verbindet die Käsestraße seit 1998 über 160 Betriebe aus Landwirtschaft, Gastronomie und Handwerk. Wo es hakt: Die Käsestraße ist kein Nachhaltigkeitssiegel. Ob ein Betrieb ökologisch arbeitet, zeigt erst ein Zertifikat wie das Österreichische Umweltzeichen, das Ende 2024 649 Tourismus- und Gastronomiebetriebe trugen.

Wer weiß, wo sein Essen herkommt, schätzt es mehr – und stärkt die Betriebe vor Ort.

Lektion 2: Energie – Anreise und Strom

Im Film steht Kopenhagen für eine Stadt, die auf Rad und erneuerbare Energie setzt. Im Tourismus beginnt der Energiehebel bei der Anreise, denn sie macht oft den größten Teil des CO₂-Fußabdrucks einer Reise aus. Die Bahn schneidet im Vergleich zu Auto und Flugzeug deutlich besser ab.

Was das für den Tourismus heißt

  • Sanfte Mobilität: In Werfenweng im Salzburger Land können Gäste ohne Auto anreisen und vor Ort E-Fahrzeuge nutzen.
  • Klimaticket: Das österreichweite Ticket erleichtert Reisen mit Bahn und Bus.
  • Eigener Strom: Viele Betriebe erzeugen Strom mit Photovoltaik.

Wo es hakt: Welche Leistungen Gäste in Werfenweng genau erhalten, hängt vom Angebot und von der Unterkunft ab. Frag vor der Buchung nach. Und ein Ort mit E-Autos ist nicht automatisch klimaneutral. Auch das Wort „klimaneutral“ solltest du nur glauben, wenn ein Anbieter belegt, wie er es erreicht.

Lektion 3: Wirtschaft – das Geld bleibt in der Region

Der Film zeigt im englischen Totnes eine Lokalwährung, die lokale Geschäfte stärken sollte. Die Währung gibt es inzwischen nicht mehr. Das ist lehrreich, denn es zeigt: Gute Ideen brauchen Dauer und viele Mitstreiter. Der Grundgedanke gilt weiter, nämlich dass regionale Kreisläufe Wert vor Ort halten.

Was das für den Tourismus heißt

  • Direkt buchen: Bei kleinen Betrieben bleibt meist mehr Geld beim Gastgeber, weil keine Vermittlungsprovision anfällt.
  • Lokal essen und einkaufen: Gasthaus statt Kette, Hofladen statt Supermarkt.
  • Handwerk als Souvenir: Etwas aus der Region mitnehmen statt Massenware.
  • Zusammenarbeit: Mehr dazu im Beitrag zu echten Partnerschaften im Tourismus.

Wo es hakt: Direkt buchen ist nicht immer günstiger oder bequemer, und kleine Betriebe sind schneller ausgebucht. Plane etwas früher.

Lektion 4: Demokratie – Einheimische entscheiden mit

Island schrieb nach der Finanzkrise 2008 an einer neuen Verfassung, an der Bürger mitwirkten. Der Film nutzt das als Beispiel für Beteiligung. Auch Tourismus funktioniert besser, wenn die Menschen vor Ort mitreden.

Die Bergsteigerdörfer sind ein gutes Beispiel. Ein Dorf muss sich bewerben und bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehören Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, keine Neuerschließung von Skigebieten und eine Ortsgröße von in der Regel höchstens 2.500 Einwohnern. Stand Februar 2026 gibt es 43 Bergsteigerdörfer im Alpenraum, rund die Hälfte in Österreich.

Wo es hakt: Mitbestimmung ist anstrengend, und nicht alle sind immer einer Meinung. Die Statistik Austria zeigt, dass 2025 rund 45 % der Bevölkerung die Auswirkungen des Tourismus positiv sehen und 8 % einen Nachteil. Mehr dazu liest du im Beitrag zur Akzeptanz in Österreichs Regionen.

Lektion 5: Bildung – wer versteht, schützt

Im Bildungskapitel zeigt der Film Schulen, in denen Kinder anders lernen. Im Tourismus entspricht dem die Wissensvermittlung für Gäste. Wer die Natur versteht, geht sorgsamer mit ihr um.

  • Rangerprogramme: Im Nationalpark Hohe Tauern erklären Ranger Natur und Klima. Wie das aussieht, liest du im Beitrag zum Nationalpark Hohe Tauern in Kärnten.
  • Workshops: Käse machen, Brot backen oder Schnitzen lernen.
  • Gastgeber-Wissen: Betriebe, die ihre Maßnahmen erklären können.

Wo es hakt: Auch Bildung bringt Besucherströme mit sich. Buche Programme außerhalb der Spitzenzeiten, dann profitierst du von kleineren Gruppen und mehr Zeit für Fragen.

Fünf Schritte, inspiriert von „Tomorrow“

  1. Wähle bewusst: Entscheide dich für Orte mit Beleg, etwa Umweltzeichen oder Bergsteigerdorf.
  2. Reise mit der Bahn: Plane die letzte Etappe mit Bus mit.
  3. Gib Geld lokal aus: Direkt buchen, im Gasthaus essen, im Hofladen kaufen.
  4. Frag nach: Wie wird geheizt? Woher kommt das Essen? Wer entscheidet im Ort?
  5. Lerne etwas: Buche ein Programm, das dir die Region erklärt.

Diese Übersicht hilft dir, Angebote schnell einzuordnen. Das ersetzt keine Prüfung, zeigt aber, wo du nachfragen solltest.

ThemaFrage an den GastgeberMöglicher Beleg
EssenWoher kommen Frühstück und Jause?Hofnamen auf der Karte, Bio-Zertifikat
AnreiseWie komme ich ohne Auto zu euch?Fahrplan, Abholservice, Gästekarte
GeldKann ich direkt bei euch buchen?Eigene Buchungsseite, Telefon
MitbestimmungWie wird im Ort über Tourismus entschieden?Bergsteigerdorf-Status, Gemeindebeschlüsse
WissenWelche Programme zur Natur gibt es?Rangerprogramm, Workshops

Kostenlose Alternative: Eine Wanderung ab dem Bahnhof in deiner Nähe kostet nichts und zeigt dir schon viel. Weitere Ziele findest du in den nachhaltigsten Regionen Österreichs.

Häufige Fragen zum Tomorrow-Film

Worum geht es im Film „Tomorrow“?

„Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“ (2015) ist ein französischer Dokumentarfilm von Cyril Dion und Mélanie Laurent. Er zeigt Lösungsansätze in fünf Bereichen: Landwirtschaft, Energie, Wirtschaft, Demokratie und Bildung. Der Film erhielt 2016 den César als bester Dokumentarfilm.

Was hat „Tomorrow“ mit nachhaltigem Tourismus zu tun?

Der Film hat kein eigenes Tourismus-Kapitel. Seine Themen lassen sich aber übertragen: Landwirtschaft auf regionale Küche, Energie auf klimafreundliche Anreise, Wirtschaft auf regionale Wertschöpfung, Demokratie auf Mitbestimmung und Bildung auf Wissensvermittlung für Gäste.

Was sind Bergsteigerdörfer?

Bergsteigerdörfer sind kleine Alpenorte, die von den Alpenvereinen nach festen Kriterien ausgewählt werden. Dazu zählen eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und der Verzicht auf neue Skigebiets-Erschließungen. Stand Februar 2026 gibt es im Alpenraum 43 davon, rund die Hälfte in Österreich.

Wie reise ich klimafreundlicher nach Österreich?

Am einfachsten mit der Bahn statt mit Auto oder Flugzeug. Das Klimaticket Österreich erleichtert die Weiterfahrt mit Bus und Bahn. Plane die letzte Etappe vorab, denn sie entscheidet oft über die Machbarkeit. Nenne dem Gastgeber deine Ankunftszeit, viele holen Gäste an der Haltestelle ab.

Wo kann ich den Film ansehen?

Die Verfügbarkeit wechselt bei Streaminganbietern. Prüfe sie bei einem Vergleichsdienst wie JustWatch oder auf der offiziellen Website. Alternativ gibt es den Film auf DVD, und viele Bibliotheken verleihen ihn kostenlos.

Grenzen des Vergleichs

Ein Film kann nicht alles zeigen. „Tomorrow“ wählt Beispiele aus und lässt Kritik und Rückschläge oft weg. Das Beispiel Totnes zeigt, dass nicht jede Idee bleibt. Auch sanfter Tourismus verbraucht Ressourcen. Verlass dich deshalb auf Belege und nicht auf schöne Worte.

Fazit: Die Lösungen sind schon da

„Tomorrow“ erinnert daran, dass viele Antworten schon existieren. Im Tourismus findest du sie in regionaler Küche, klimafreundlicher Anreise, fairem Wirtschaften, Mitbestimmung und Wissen. Du musst dafür nicht warten, bis ein ganzes System sich ändert. Jede Buchung ist eine kleine Entscheidung.

Tomorrow ist nicht irgendwann. Es beginnt mit der nächsten Reise, die du planst.

Dein nächster Schritt: Such dir ein Ziel mit Beleg aus, prüfe die Bahnanreise und buche direkt beim Gastgeber. Wenn dich auch das Thema Bildung interessiert, lies unseren Beitrag zum Alphabet-Film.

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Quellen

Philipp Walz
Philipp Walz

Ich bin Philipp und brenne für nachhaltiges Reisen. Die Idee zu nachhaltigertourismus.at entwickelte ich während meines Masterstudiums in Green Marketing an der FH Wiener Neustadt – aus der Erkenntnis heraus, dass herkömmlicher Tourismus oft tiefe Spuren hinterlässt. Für mich bedeutet nachhaltiges Reisen: Orte bewusst erleben, lokale Kulturen respektieren und den eigenen Fußabdruck minimieren. Jede Reise erweitert meinen Horizont, lehrt mich Achtsamkeit und schenkt mir authentische Begegnungen, die mich prägen. Nachhaltiger Tourismus ist kein Verzicht – er ist eine bereichernde Erfahrung, die unser Leben und unsere Welt positiv verändert. Probier es aus und erlebe selbst, wie erfüllend bewusstes Reisen sein kann!

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